Vitolas kubanischer Zigarren: Formate, Länge und Ringmaß erklärt

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Eine Vitola ist das Format einer Zigarre, festgelegt durch Länge und Ringmaß: Eine Robusto misst 124 Millimeter bei Ringmaß 50, also 50/64 Zoll Durchmesser. Ein Werksformat, die Vitola de Galera, erscheint oft unter mehreren Handelsnamen – hinter der Partagás Serie D No. 4, der Cohiba Robustos und der Bolívar Royal Coronas steckt dasselbe Maß. Kennt man die Sprache der Formate, sieht man einer Zigarre an, ob sie eine Viertelstunde oder gut eineinviertel Stunden begleitet und ob sie konzentriert oder voluminös zieht. Dieser Ratgeber erklärt das System von den Maßeinheiten über die Referenztabelle bis zu den Eigenheiten der einzelnen Formate.

Auf einen Blick

Was ist eine Vitola?

Das Wort Vitola stammt aus dem kubanischen Tabakhandwerk und bezeichnet schlicht das Format einer Zigarre – also ihre äußere Form, definiert durch Länge, Durchmesser und gelegentlich eine besondere Silhouette. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine reine Maßangabe, doch in der kubanischen Tradition steckt darin ein erstaunlich präzises System, das zwei verschiedene Ebenen sauber voneinander trennt. Diese Unterscheidung zu kennen, ist der Schlüssel, um die scheinbar verwirrende Vielfalt der Formatnamen zu durchschauen.

Die erste Ebene ist die Vitola de Galera, das Werksformat. Galera heißt der Saal, in dem die Roller (Torcedores) an ihren Pulten sitzen. Jedes Werksformat hat hier einen internen, technischen Namen, der präzise eine Kombination aus Länge und Ringmaß festlegt – unabhängig davon, welche Marke später darauf gedruckt wird. Beispiele für solche Werksnamen sind Mareva, Robusto, Julieta No. 2, Cervantes, Prominente oder Laguito No. 1. Ein Roller, der eine „Mareva“ fertigen soll, weiß sofort: 129 Millimeter lang, Ringmaß 42. Die Vitola de Galera ist die Sprache der Produktion.

Die zweite Ebene ist die Vitola de Salida, der Handelsname. Das ist der Name, den eine Marke ihrem Produkt gibt, wenn es das Werk verlässt und in den Verkauf geht. Hier wird aus der technischen Mareva beispielsweise eine „Petit Corona“, aus der Werks-Julieta No. 2 die berühmte „Churchill“, aus der Cervantes eine „Lonsdale“. Der Handelsname ist Marketing und Tradition zugleich: Er soll klingen, Geschichte transportieren und das Produkt im Sortiment positionieren. Die Formatübersicht von Habanos S.A. beschreibt beide Ebenen genau so: Der Werksname ist der Formatname, den die Fabriken verwenden, der Handelsname steht auf der Kiste, und nur manchmal sind beide gleich.

Aus dieser Doppelstruktur folgt eine zunächst überraschende Tatsache: Ein Werksformat erscheint oft unter mehreren Marken und Handelsnamen. Die Vitola de Galera „Robusto“ – 124 Millimeter, Ringmaß 50 – steckt unter anderem hinter der Partagás Serie D No. 4, der Cohiba Robustos, der Bolívar Royal Coronas, der Ramón Allones Specially Selected und der Hoyo de Monterrey Epicure No. 2. Alle diese Zigarren teilen dasselbe Maß und damit eine ähnliche Grundgeometrie, schmecken aber völlig unterschiedlich, weil die Tabakmischung (Ligada) jeder Marke eigen ist. Das Format ist die Bühne, die Mischung das Stück, das darauf gespielt wird.

Praktische Folge: Wer das Format einer Lieblingszigarre kennt, kann gezielt nach derselben Geometrie bei anderen Marken suchen. Wem die Partagás Serie D No. 4 zusagt, der hat damit das Robusto-Format für sich entdeckt – und kann eine Cohiba Robustos oder eine Bolívar Royal Coronas als Variation desselben Formats verstehen, nur mit anderem Geschmacksbild.

Bei der Schreibweise der Werksnamen ist Habanos selbst nicht einheitlich. Die Formatübersicht führt sie in der Einzahl – Mareva, Robusto, Prominente, Pirámide –, der Vitolario, der offizielle Katalog, dagegen vielfach in der Mehrzahl: Marevas, Robustos, Prominentes, Pirámides, Campanas, Coronas Gordas. Gemeint ist jeweils dasselbe Format. Auf dieser Seite stehen die Werksnamen in der Regel in der Einzahl; nur das Format 143 x 46, das die Formatübersicht nicht aufführt, heißt wie im Katalog Coronas Gordas.

Historisch ist das System gewachsen, nicht am Reißbrett entworfen. Viele Werksnamen tragen literarische oder historische Anklänge – Cervantes nach dem Dichter, Julieta nach Shakespeares Figur, Prominente als sprechender Name für ein besonders stattliches Format. Andere sind nüchtern nummeriert, etwa die Laguito-Serie (No. 1, No. 2, No. 3), die ursprünglich für Cohiba im Atelier El Laguito entwickelt wurde. Diese gewachsene Vielfalt macht den Reiz aus, verlangt aber etwas Orientierung. Genau die liefert das Verständnis der Maßeinheiten, die im nächsten Abschnitt folgen.

Wie viele Vitolas gibt es?

Die Zahl der Vitolas de Galera – also der echten Werksformate – ist größer, als man zunächst vermutet. Habanos S.A. nennt 27 Marken mit zusammen mehr als 250 verschiedenen Zigarren. Der Vitolario von Habanos S.A., der offizielle Katalog mit Werksformat, Länge und Ringmaß jeder Habano, verzeichnet im regulären Sortiment mehr als hundert Werksformate. Viele davon trägt nur eine einzige Zigarre – die Cervantes etwa allein die Montecristo No. 1 –, während Klassiker wie Marevas und Robustos bei acht bis neun Marken vorkommen. So entsteht der Eindruck endloser Vielfalt, obwohl sich hinter den meisten bekannten Handelsnamen eine überschaubare Zahl verbreiteter Grundmaße verbirgt. Wer die wichtigsten Werksformate kennt, hat das System im Wesentlichen durchschaut.

Manche Werksformate sind reine Klassiker, die seit Generationen unverändert bestehen – die Mareva, die Corona, die Julieta No. 2. Andere sind jüngeren Datums und entstanden, als der Markt nach dickeren, kürzeren Formaten verlangte; die moderne Vorliebe für üppige Ringmaße hat eine Reihe neuer Werksformate hervorgebracht, etwa die Edmundo (2004 mit der Montecristo Edmundo eingeführt), die Petit Edmundo (2007) oder die Dobles (155 x 50) der Trinidad Robustos Extra und der Montecristo Double Edmundo. Das System ist also lebendig und entwickelt sich weiter, ohne seine Grundlogik aufzugeben.

Die Familien der Handelsnamen

Handelsnamen lassen sich grob in Familien gliedern, die immer wieder auftauchen. Die Corona-Familie (Petit Corona, Corona, Corona Gorda, Doble Corona) bezeichnet eine Reihe verwandter, traditionell eher schlanker Formate unterschiedlicher Länge. Die Robusto-und-Toro-Linie steht für die kurzen bis mittleren, dicken Formate. Eigennamen wie Churchill, Lonsdale oder Lancero ehren Personen oder verweisen auf eine besondere Herkunft. Und die Figurado-Namen – Pirámide, Belicoso, Perfecto, Diademas – beschreiben unmittelbar die geformte Silhouette. Diese Familienzugehörigkeit hilft, einen unbekannten Namen grob einzuordnen, noch bevor man die genauen Maße kennt.

Wie liest man Länge und Ringmaß einer Zigarre?

Jede Vitola lässt sich vollständig durch zwei Zahlen beschreiben: die Länge und das Ringmaß. Beide haben eine eigene Maßeinheit und eine eigene Logik, und beide zu lesen, ist eine schnell erlernte, aber überraschend nützliche Fertigkeit.

Die Länge

Die Länge wird traditionell in Zoll angegeben, im kontinentaleuropäischen Kontext aber meist in Millimetern. Ein Zoll entspricht laut der Umrechnungstabelle des US-Normeninstituts NIST exakt 25,4 Millimetern. Eine klassische Corona misst etwa 142 Millimeter, das sind rund 5 5/8 Zoll. Eine Robusto liegt bei 124 Millimetern (knapp 5 Zoll), eine Churchill bei 178 Millimetern (7 Zoll), eine Doble Corona bei 194 Millimetern (gut 7 5/8 Zoll). Die Länge ist die anschaulichere der beiden Größen, weil man sie unmittelbar mit dem Auge erfasst.

Das Ringmaß (Cepo)

Schwieriger, aber umso wichtiger ist das Ringmaß, auf Spanisch Cepo genannt. Es bezeichnet den Durchmesser der Zigarre und wird in einer ungewöhnlichen, aber bei Zigarren weltweit gebräuchlichen Einheit gemessen: in Vierundsechzigstel Zoll. Ein Ringmaß von 50 bedeutet also einen Durchmesser von 50/64 Zoll, das sind etwa 19,8 Millimeter. Ein Ringmaß von 42 entspricht 42/64 Zoll oder rund 16,7 Millimetern, ein Ringmaß von 38 etwa 15,1 Millimetern.

Die Umrechnung in den Kopf zu bekommen, ist nicht nötig – wichtig ist nur das Gefühl für die Skala. Faustregel: Ringmaß geteilt durch 64, mal 25,4, ergibt den Durchmesser in Millimetern. Praktisch genügt es, sich drei Ankerpunkte zu merken: 38 ist schlank (Lancero), 42 ist die klassische, schlanke Mitte (Corona, Lonsdale), 50 ist kräftig und voluminös (Robusto, Toro). Alles dazwischen ordnet sich entsprechend ein. Nach unten reicht die kubanische Skala bis 26, dem zierlichen Ringmaß der Panetela (Werksname Laguito No. 3). Die Formatübersicht von Habanos nennt Ringmaße von 26 bis 57; der aktuelle Katalog reicht mit der Cohiba Behike 58 (Werksformat Laguito No. 7, 178 x 58) bis Ringmaß 58.

Die folgende Umrechnungstabelle fasst die Ringmaße der Formate auf dieser Seite zusammen. Die Durchmesser ergeben sich aus der Formel Ringmaß geteilt durch 64, mal 25,4, und decken sich mit den Millimeterangaben von Habanos.

Ringmaß (1/64 Zoll) Durchmesser (mm, gerundet) Typische Formate (Werksname)
2610,3Panetela (Laguito No. 3)
3815,1Lancero (Laguito No. 1)
4015,9Tres Petit Corona (Perla)
4216,7Petit Corona (Mareva), Corona, Lonsdale (Cervantes)
4618,3Corona Gorda (Coronas Gordas)
4718,7Churchill (Julieta No. 2)
4919,4Doble Corona (Prominente)
5019,8Robusto, Toro (Dobles)
5220,6Edmundo, Pirámide, Belicoso (Campana)

So liest man eine vollständige Maßangabe: Steht irgendwo „124 x 50“ oder „5 x 50“, dann ist die erste Zahl die Länge (124 Millimeter beziehungsweise 5 Zoll) und die zweite das Ringmaß (50/64 Zoll Durchmesser). Diese Schreibweise – Länge mal Ringmaß – ist international üblich, und alle Maße auf dieser Seite folgen ihr. Eine „178 x 47“ ist demnach eine Churchill, eine „192 x 38“ eine Lancero. Mitunter steht das Ringmaß allerdings vorn: Habanos nennt etwa in der Mitteilung zur Trinidad Vigía Reserva Cosecha 2022 „54 x 110 mm“, gemeint sind 110 Millimeter Länge bei Ringmaß 54. Bei Angaben in Millimetern hilft eine einfache Probe: Die größere Zahl ist die Länge.

Eine häufige Verwechslung: Das Ringmaß ist kein Maß für die Stärke der Zigarre im Sinne des Nikotingehalts oder der Geschmacksintensität. Es beschreibt allein die Geometrie. Eine dicke Zigarre kann mild, eine dünne kräftig sein – die Stärke entscheidet die Tabakmischung, nicht der Durchmesser. Allerdings beeinflusst das Ringmaß, wie sich das Aroma entfaltet, wie der Abschnitt Wie das Ringmaß Zug, Temperatur und Aroma beeinflusst zeigt.

Eine Besonderheit gilt für geformte Zigarren: Bei einem Format, das sich verjüngt oder bauchig ist, bezieht sich die angegebene Ringmaßzahl auf die dickste Stelle. Eine Pirámide mit „156 x 52“ erreicht das Ringmaß 52 im breiten Teil zum Fuß hin und läuft zum Kopf, also zum Mundende, spitz zu. Das macht das Lesen solcher Angaben weniger eindeutig und führt direkt zur nächsten grundlegenden Einteilung: gerade gegen geformt.

Glossar der Formatbegriffe

Bevor es zu den einzelnen Formaten geht, ein kompaktes Glossar der Begriffe, die in jeder Beschreibung einer Vitola auftauchen. Wer diese Wörter beherrscht, liest jede Formatangabe mühelos. Weitere Begriffe rund um die Zigarre erläutert das ausführliche Glossar.

Vitola
Das Format einer Zigarre, definiert durch Länge und Ringmaß sowie gegebenenfalls eine besondere Silhouette.
Vitola de Galera
Der interne Werksname eines Formats, der ein bestimmtes Maß festlegt – etwa Mareva oder Robusto –, unabhängig von der Marke.
Vitola de Salida
Der Handelsname, unter dem eine Marke das Produkt verkauft, etwa Petit Corona oder Churchill.
Cepo
Spanisch für das Ringmaß, also den Durchmesser, gemessen in Vierundsechzigstel Zoll.
Galera
Der Saal der Manufaktur, in dem die Roller an ihren Pulten arbeiten.
Torcedor
Der Roller, der die Zigarre von Hand fertigt; die Mehrzahl heißt Torcedores.
Ligada
Die Tabakmischung einer Zigarre aus verschiedenen Blattsorten – sie bestimmt den Geschmack, während das Format die Form bestimmt.
Parejo
Ein gerades, zylindrisches Format mit über die ganze Länge gleichem Durchmesser.
Figurado
Ein geformtes Format, das sich verjüngt, bauchig ist oder an den Enden zugespitzt.
Rabo de Cochino
Wörtlich „Schweineschwänzchen“, das gedrehte Endstück am Kopf einer Lancero.

Parejo und Figurado

Alle Vitolas zerfallen in zwei große Familien, die sich allein durch ihre Silhouette unterscheiden. Diese Einteilung ist älter und grundlegender als jede einzelne Formatbezeichnung.

Parejo – die geraden Formate

Ein Parejo ist eine Zigarre mit geradem, zylindrischem Körper: über die gesamte Länge gleicher Durchmesser, ein offener, gerade abgeschnittener Fuß zum Anzünden und ein geschlossener, gerundeter Kopf, der vor dem Rauchen angeschnitten wird. Die große Mehrheit der Formate sind Parejos – Robusto, Corona, Lonsdale, Churchill, Toro und Doble Corona gehören alle hierher. Parejos lassen sich gleichmäßiger rollen, ziehen zuverlässiger und bilden deshalb das Rückgrat fast jedes Markensortiments.

Figurado – die geformten Formate

Ein Figurado dagegen weicht von der reinen Zylinderform ab: Es verjüngt sich, ist bauchig, an beiden Enden zugespitzt oder anderweitig modelliert. Klassische Figurados sind die Pirámide (Torpedo) mit ihrem spitz zulaufenden Kopf, die Belicoso mit kurzer, abgerundeter Spitze, die Perfecto, die an beiden Enden geschlossen und in der Mitte bauchig ist, sowie die seltenen Diademas, die größten und aufwendigsten Figurados überhaupt. Die Lancero dagegen bleibt trotz ihres charakteristischen, gedrehten Schwänzchens (Rabo de Cochino) am Kopf ein Parejo; Habanos führt ihr Werksformat Laguito No. 1 ausdrücklich bei den geraden Formaten.

Figurados gelten als Königsdisziplin des Rollens. Ein verjüngter Körper verlangt vom Torcedor mehr Erfahrung, weil sich das Ringmaß über die Länge ändert und der Zug dennoch gleichmäßig bleiben muss. Habanos unterscheidet vier Rangstufen der Torcedores; nur Roller der höchsten Stufe fertigen die größten und kompliziertesten Formate, und die an beiden Enden spitzen Doppel-Figurados gelten dort als Gipfel der Rollkunst. Die sich über die Länge verändernde Geometrie ist aber auch der Reiz der Figurados: Eine Pirámide beginnt am spitzen Kopf konzentriert und mit fokussiertem Aroma und öffnet sich, je weiter man raucht, in Breite und Fülle. Diesen Eigenheiten ist ein eigener Abschnitt weiter unten gewidmet.

Referenztabelle: 14 Vitolas mit Werksname, Länge, Ringmaß und Rauchdauer, soweit Habanos sie nennt

Die folgende Tabelle stellt die wichtigsten Vitolas zusammen: jeweils den geläufigen Handelsnamen, den dazugehörigen Werksnamen (Vitola de Galera), die Länge in Millimetern, das Ringmaß, ein typisches Markenprodukt als Anker für den Geschmack und die Rauchdauer. Länge und Ringmaß sind die Werksmaße nach Habanos; Zigarren aus anderen Ländern tragen dieselben Handelsnamen oft mit leicht abweichenden Maßen. Die Rauchdauer gibt Habanos selbst als ungefähre Orientierung an; wer gemächlich raucht und zwischen den Zügen Pausen lässt, braucht länger. Wo Habanos keine Zeit nennt, steht ein Strich.

Handelsname Werksname Länge (mm) Ringmaß Typisches Produkt Rauchdauer laut Habanos
Petit CoronaMareva12942Montecristo No. 4rund 30 min
CoronaCorona14242Montecristo No. 3gut 30 min
RobustoRobusto12450Partagás Serie D No. 430–40 min
Corona GordaCoronas Gordas14346Cohiba Siglo IV–
ToroDobles (kein eigener Werksname Toro)15550Montecristo Double Edmundo–
LonsdaleCervantes16542Montecristo No. 1–
ChurchillJulieta No. 217847Romeo y Julieta Churchillsüber 60 min
Doble CoronaProminente19449Hoyo de Monterrey Double Coronasgut 75 min
LanceroLaguito No. 119238Cohiba Lancerosknapp 60 min
PanetelaLaguito No. 311526Cohiba Panetelasrund 15 min
Tres Petit CoronaPerla10240Montecristo No. 5rund 20 min
EdmundoEdmundo13552Montecristo Edmundorund 50 min
PirámidePirámide15652Montecristo No. 2rund 60 min
BelicosoCampana14052Bolívar Belicosos Finos–

Schon ein Blick auf die Tabelle zeigt die zwei Stellschrauben, mit denen jedes Format spielt: Länge und Ringmaß. Eine Robusto und eine Petit Corona haben ähnliche Länge, aber stark verschiedenes Ringmaß (50 gegen 42) – sie fühlen sich völlig anders an. Eine Corona und eine Lonsdale teilen das Ringmaß 42, unterscheiden sich aber deutlich in der Länge und damit in der Rauchdauer. Die beiden folgenden Diagramme machen diese beiden Achsen anschaulich.

Balkendiagramm des Ringmaßes gerader kubanischer Zigarrenformate in Vierundsechzigstel Zoll nach Habanos: Panetela 26, Lancero 38, Perla 40, Corona und Lonsdale 42, Corona Gorda 46, Churchill 47, Doble Corona 49, Robusto und Toro (Werksformat Dobles) 50.
Bei den gezeigten geraden Formaten reicht das Ringmaß von 26 (Panetela) bis 50 (Robusto, Toro); Edmundo, Pirámide und Belicoso erreichen 52. Werksmaße nach Habanos.
Balkendiagramm der Länge gerader kubanischer Zigarrenformate in Millimetern nach Habanos: Perla 102, Robusto 124, Petit Corona 129, Corona 142, Lonsdale 165, Churchill 178, Lancero 192, Doble Corona 194, Gran Corona 235.
Die gezeigten Formate reichen von 102 Millimetern (Perla) bis 235 Millimetern (Gran Corona, allein bei der Montecristo A); unter den verbreiteten Formaten ist die Doble Corona mit 194 Millimetern die längste. Kürzer als die Perla ist die hier nicht gezeigte Half Corona mit 90 Millimetern. Werksmaße nach Habanos.

Acht Formate im Porträt: von der Robusto bis zur Doble Corona

Jedes Format hat einen eigenen Charakter, eine eigene Geschichte und ein oder zwei legendäre Vertreter, an denen man es kennenlernt. Die folgenden Porträts beschreiben acht Formate, die einem im Sprachgebrauch am häufigsten begegnen – darunter die Toro, die im kubanischen Sortiment allerdings selten ist. Welches davon zu welchem Anlass passt, vertieft der Ratgeber zur Auswahl der passenden Zigarre.

Robusto

Die Robusto ist für viele erfahrene Raucher heute die erste Wahl: 124 Millimeter lang, Ringmaß 50, also gedrungen und kräftig im Durchmesser. Diese Kombination ist ein Glücksfall der Geometrie. Das große Ringmaß erlaubt eine breite, vielschichtige Tabakmischung und einen kühlen, voluminösen Rauch, während die kurze Länge die Rauchzeit handlich hält: Habanos nennt 30 bis 40 Minuten, bei sehr ruhigem Tempo wird es länger. Damit ist die Robusto die ideale Feierabendzigarre – genug Substanz, um Tiefe zu zeigen, aber nicht so lang, dass sie einen ganzen Abend beansprucht.

Der Inbegriff dieses Formats ist die Partagás Serie D No. 4, eine erdige, würzige, kraftvolle Zigarre, an der sich Generationen von Liebhabern die Robusto erschlossen haben. Wer es eleganter und feiner mag, findet in der Cohiba Robustos das gegenteilige Temperament desselben Formats, während die Bolívar Royal Coronas die robuste, vollmundige Schule vertritt. Drei Zigarren, ein Format – ein Lehrstück darüber, wie die Mischung über alles entscheidet. Wie sich alle Habanos dieses Werksformats in der Stärke unterscheiden, zeigen die acht Robustos des Habanos-Katalogs im Vergleich.

Corona

Die Corona gilt als das klassische Referenzformat, an dem Kenner die wahre Handschrift einer Marke ablesen. Mit 142 Millimetern Länge und Ringmaß 42 ist sie schlank und ausgewogen: lang genug für eine echte Aromaentwicklung, dünn genug, um Tabak und Mischung unverfälscht durchscheinen zu lassen. Ihr Ringmaß 42 teilt sie mit der Mareva, und dieses Maß kommt nach Habanos einem Standard-Umfang für kubanische Zigarren so nahe wie kein anderes. Dickere Formate wie Robusto und Edmundo haben in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen, bei Puristen genießt die Corona aber bis heute höchstes Ansehen.

Das schlanke Ringmaß lässt der Tabakmischung wenig Versteck: Eine Corona zeigt schonungslos, ob eine Ligada gut komponiert ist. Klassische Vertreter des Werksformats sind die Montecristo No. 3 und die Romeo y Julieta Cedros de Luxe No. 2. Habanos rechnet für eine Corona mit etwas mehr als einer halben Stunde. Wer eine Marke wirklich kennenlernen will, greift gern zur Corona.

Churchill

Die Churchill ist das große, repräsentative Format für die ausgedehnte Zeremonie: 178 Millimeter (7 Zoll) lang bei einem Ringmaß von 47. Ihr Werksname Julieta No. 2 verweist auf das Haus, dem sie ihre Berühmtheit verdankt, doch ihr Handelsname huldigt dem britischen Staatsmann Winston Churchill, der als leidenschaftlicher Raucher kubanischer Zigarren ein lebendes Markenzeichen wurde; laut Habanos war dieses Maß sein bevorzugtes Format. Eine Churchill ist eine Zigarre für mehr als eine Stunde, bei ruhigem Tempo auch deutlich länger – nichts für zwischendurch, alles für den ruhigen Abend.

Der Klassiker des Formats sind die Romeo y Julieta Churchills, aromatisch und von mittlerer Stärke, zugänglich und von einer Eleganz, die das Format definiert hat. Über die Länge entwickelt eine gute Churchill ein deutliches Spiel: Sie beginnt zurückhaltend, gewinnt im zweiten Drittel an Tiefe und Würze und endet kräftig. Wer Geduld und Muße mitbringt, erlebt hier die ganze Bandbreite, zu der ein Tabak fähig ist.

Doble Corona

Die Doble Corona (Werksname Prominente) ist eines der größten regulär produzierten Parejo-Formate: 194 Millimeter lang, Ringmaß 49. Wer eine Doble Corona ansteckt, plant deutlich mehr als eine Stunde ein; Habanos nennt gut eine Stunde und eine Viertelstunde. Noch länger ist im aktuellen Habanos-Katalog nur die Gran Corona (235 x 47), vertreten allein durch die Montecristo A. Die Doble Corona ist als imposantes Format kein Alltagsgenuss, sondern ein Ereignis, und sie verlangt einen geruhsamen, aufmerksamen Umgang, damit sie über die lange Strecke kühl und gleichmäßig brennt.

Ein gefeierter Vertreter sind die Hoyo de Monterrey Double Coronas, die über ihre Länge eine bemerkenswerte Aromaentwicklung zeigen – von zart und cremig zu Beginn bis vollmundig und holzig zum Ende. Gerade die Länge macht das Format zur Schule der Geduld: Wer zu schnell zieht, überhitzt den Tabak; wer das Tempo hält, wird mit einer der vielschichtigsten Rauchreisen belohnt, die Kuba zu bieten hat.

Lancero

Die Lancero ist das elegante Sonderformat schlechthin: 192 Millimeter lang, aber mit einem zierlichen Ringmaß von nur 38. Ihr Werksname Laguito No. 1 verweist auf das Atelier El Laguito, in dem sie für Cohiba entwickelt wurde. Charakteristisch ist das gedrehte Schwänzchen am Kopf, der Rabo de Cochino. Diese ungewöhnliche Geometrie – lang und sehr dünn – erzeugt einen ganz eigenen Genuss: Der schmale Durchmesser konzentriert die Aromen laut Habanos auf der Zunge, weshalb Lanceros oft besonders aromatisch und nuanciert wirken.

Der Maßstab sind die Cohiba Lanceros, eine Ikone des kubanischen Tabaks, die das Format weltberühmt gemacht hat. Lanceros gelten als Kennerzigarren: Sie verlangen ein ruhiges Rauchtempo, weil der dünne Strang schneller heiß wird, belohnen die Sorgfalt aber mit großer Finesse. Habanos rechnet für eine Lancero mit knapp einer Stunde. Wer von der Fülle der Robusto zur Filigranität der Lancero wechselt, lernt zwei grundverschiedene Seiten desselben Tabaks kennen.

Pirámide

Die Pirámide ist der bekannteste Figurado: 156 Millimeter lang, am Fuß auf Ringmaß 52 anschwellend und zum Kopf hin spitz zulaufend. Diese Form ist nicht bloß dekorativ. Der spitze Kopf bündelt den Rauch beim Eintritt in den Mund, der breite Fuß sorgt für eine üppige Aromabasis. Über die Länge wandert der wirksame Durchmesser von schmal zu breit, weshalb sich der Charakter der Zigarre während des Rauchens spürbar wandelt.

Die Montecristo No. 2 ist die berühmteste Pirámide der Welt und für viele die Definition des Formats: würzig, kraftvoll, mit einem unverwechselbaren Profil. Wegen des spitzen Kopfes verlangt die Pirámide besondere Aufmerksamkeit beim Anschneiden – ein zu tiefer Schnitt zerstört die fokussierende Wirkung der Spitze. Mehr dazu im Figurado-Abschnitt weiter unten.

Petit Corona

Die Petit Corona (Werksname Mareva) ist die kompakte Schwester der Corona: 129 Millimeter, Ringmaß 42. Sie liefert das klassische, schlanke Corona-Profil in rund einer halben Stunde – ideal, wenn die Muße für ein größeres Format fehlt, der Anspruch an Qualität aber bleibt. Trotz ihrer Kürze ist sie keine bloße Verlegenheitslösung, sondern ein vollwertiges, traditionsreiches Format.

Der Klassiker ist die Montecristo No. 4, laut Habanos die meistverkaufte Habano der Welt; die Mareva gilt dort zugleich als das mit Abstand populärste Format. Die Montecristo No. 4 ist erdig, ausgewogen, zugänglich und gerade in dieser Größe ungemein praktisch. Die Petit Corona ist oft die erste echte Zigarre, an der sich Einsteiger das Format-Vokabular erschließen, bevor sie zu längeren und dickeren Vitolas weiterziehen.

Toro

Die Toro ist gewissermaßen die verlängerte Robusto: rund 155 Millimeter lang bei Ringmaß 50. Damit verbindet sie das großzügige, kühle Rauchvolumen des dicken Ringmaßes mit einer längeren Strecke, die mehr Raum für Aromaentwicklung lässt. Die Toro profitiert vom Trend zu dicken Ringmaßen, weil sie den Kompromiss zwischen Substanz und Dauer fast ideal trifft: voll wie eine Robusto, aber mit dem Reifebogen eines längeren Formats.

Im kubanischen Sortiment ist die Toro selten. Ein eigenes Werksformat dieses Namens gibt es nicht; am nächsten kommt die Vitola de Galera Dobles (155 x 50), die im Habanos-Katalog die Montecristo Double Edmundo (seit 2013) und die Trinidad Robustos Extra tragen. Mit ihrer größeren Länge braucht die Toro spürbar mehr Zeit als die Robusto und ist das natürliche nächste Format für alle, denen die Robusto zu kurz und die Churchill zu lang erscheint – eine goldene Mitte, die ihre Beliebtheit erklärt.

Weitere Formate: Corona Gorda, Lonsdale, Edmundo und die kleinen Vitolas

Neben den acht porträtierten Formaten verdienen einige weitere eine Erwähnung, weil sie das Spektrum sinnvoll ergänzen. Die Corona Gorda (Werksname Coronas Gordas, 143 Millimeter, Ringmaß 46) ist eine etwas fülligere Corona – sie behält die elegante Länge bei, gewinnt aber durch das größere Ringmaß an Volumen und Geschmackstiefe. Die Cohiba Siglo IV ist ein gefeierter Vertreter und für viele ein idealer Kompromiss zwischen der schlanken Klassik der Corona und der Fülle dickerer Formate.

Die Lonsdale (Werksname Cervantes, 165 Millimeter, Ringmaß 42) ist gewissermaßen die verlängerte Corona: dasselbe schlanke Ringmaß, aber deutlich mehr Länge und damit mehr Zeit für Aromaentwicklung. Lange galt die Lonsdale als das Format der Kenner, die das filigrane Corona-Profil schätzen, sich aber mehr Rauchdauer wünschen. Die Montecristo No. 1 ist ihr klassischer Repräsentant.

Die Edmundo (135 Millimeter, Ringmaß 52) ist ein modernes Erfolgsformat: kurz, aber sehr dick, benannt nach dem Romanhelden Edmond Dantès aus „Der Graf von Monte Christo“, dem die Marke Montecristo ihren Namen verdankt. Die Montecristo Edmundo, 2004 eingeführt, hat dieses Format populär gemacht. Die Edmundo liefert ein üppiges, kühles Rauchvolumen in rund 50 Minuten und steht beispielhaft für den Trend zu dickeren, kürzeren Vitolas.

Am anderen Ende der Skala stehen die kleinen Formate: die Perla (geläufig auch Tres Petit Corona, 102 Millimeter, Ringmaß 40), etwa als Montecristo No. 5, und die sehr schlanke Panetela (Werksname Laguito No. 3, 115 Millimeter, Ringmaß 26), etwa als Cohiba Panetelas. Panetela ist bei Habanos der geläufige Name dieses Werksformats; im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet Panetela auch etwas kräftigere schlanke Formate um Ringmaß 34 bis 38. Habanos nennt für die Perla rund 20 Minuten und für die Panetela eine Viertelstunde – ideal für den kurzen Genuss ohne Hast. Noch kürzer ist die Half Corona der H. Upmann, ein eigenes Werksformat mit 90 Millimetern bei Ringmaß 44.

Moderne Trends bei den Formaten

Die Beliebtheit der Formate ist keine Konstante, sondern unterliegt dem Wandel. Über viele Jahrzehnte galt das schlanke Ringmaß 42 von Corona und Petit Corona als Standard, an dem sich alles orientierte, und bis heute nennt Habanos die Mareva, also die Petit Corona, als mit Abstand populärstes Format. Zugleich gewinnen dicke Ringmaße an Beliebtheit, etwa die Edmundo und die Petit Edmundo (110 x 52); die Robusto ist für viele erfahrene Raucher die erste Wahl. Die wachsende Beliebtheit kurzer, dicker Formate wie der Petit Edmundo und der Petit Robusto erklärt Habanos mit dem Trend zu dicken Ringmaßen bei zugleich knapper gewordener Zeit. Dazu kommen das kühle, volle Rauchvolumen dicker Formate und die handliche Rauchzeit kurzer Vitolas. Die schlanke Klassik der Corona und Lonsdale lebt bei Puristen weiter, während die Nachfrage nach kräftigen Ringmaßen wächst.

Wie das Ringmaß Zug, Temperatur und Aroma beeinflusst

Das Ringmaß ist die einflussreichste Stellschraube für das sinnliche Erlebnis einer Zigarre. Es entscheidet nicht über den Geschmack selbst – das tut die Mischung –, aber darüber, wie dieser Geschmack zum Gaumen gelangt. Drei Wirkungen sind besonders bedeutsam.

Rauchvolumen und Temperatur

Ein dickes Ringmaß (etwa 50 bis 54) bedeutet einen größeren Querschnitt der glühenden Tabaksäule. Bei jedem Zug strömt mehr Luft durch mehr Tabak, der Rauch ist voluminöser und – das ist entscheidend – kühler. Die größere Masse verteilt die Hitze, sodass die Verbrennung langsamer und gleichmäßiger abläuft. Dicke Formate wie Robusto und Toro gelten deshalb als besonders gnädig: Sie verzeihen ein etwas zu rasches Rauchtempo eher als dünne. Habanos beschreibt es ähnlich: Dicke Habanos brennen langsam und liefern ein großes Volumen runderen, kühleren Rauchs.

Ein dünnes Ringmaß (etwa 26 bis 40) konzentriert die Glut auf einen kleinen Querschnitt. Der Rauch ist intensiver und fokussierter, neigt aber dazu, schneller heiß zu werden, wenn man zu hastig zieht. Laut Habanos rauchen dünne Formate schneller ab und bündeln die Aromen auf der Zunge zu einem etwas schärferen Eindruck. Messungen an Zigaretten mit 24, 20 und 17 Millimetern Umfang zeigen denselben physikalischen Zusammenhang: Je geringer der Umfang, desto höher die Glut-Temperatur und desto schneller der Abbrand (Studie von Deng et al. in Contributions to Tobacco & Nicotine Research, 2019). Lanceros und Panetelas verlangen daher ein gemächliches Tempo, damit sie nicht überhitzen und bitter werden. Diese Empfindlichkeit ist der Preis für ihre oft besonders feine, präzise Aromatik.

Das Verhältnis von Deckblatt zu Einlage

Hier liegt der subtilste Effekt des Ringmaßes. Das Deckblatt umhüllt die Zigarre als dünne Außenschicht, während die Einlage das voluminöse Innere bildet. Bei einer dünnen Zigarre ist der Anteil des Deckblatts an der gesamten Tabakmenge größer, bei einer dicken Zigarre dominiert die Einlage, und das Deckblatt tritt relativ zurück. Wie stark das Deckblatt den Geschmack mitprägt, ist allerdings umstritten: Habanos schreibt, es trage wenig zum Geschmack einer Habano bei; unbestritten prägt es ihr Erscheinungsbild.

Dass dieselbe Marke in verschiedenen Formaten leicht verschieden schmecken kann, liegt deshalb nicht allein am Deckblattanteil: Eine schlanke Lancero raucht schneller ab und konzentriert die Aromen laut Habanos auf der Zunge; eine dicke Robusto brennt langsamer und lässt eher die runde, breite Stimme der Einlage hervortreten. Die Blender gleichen diese Unterschiede zum Teil bewusst aus: Laut Habanos lassen sie bei dünnen Formaten zum Beispiel das kräftigste Blatt, den Ligero, aus der Mischung weg. Wer diese Mechanik kennt, kann sein Erlebnis bewusst steuern – Format als Geschmacksregler.

Zugwiderstand

Das Ringmaß beeinflusst auch den Zugwiderstand – also wie viel Sog nötig ist, um den Rauch durch die Zigarre zu ziehen. Dicke Formate haben tendenziell mehr Tabak im Querschnitt und können bei mangelhafter Rollung leichter zu fest gezogen sein, während dünne Formate von Natur aus einen engeren Kanal bieten. Ein perfekt gerollter Strang zieht in jedem Ringmaß angenehm; ein zu fester oder zu loser Zug ist jedoch einer der häufigsten Fehler, die den Genuss trüben. Das passende Zubehör und ein sauberer Schnitt helfen, den Zug optimal einzustellen.

Wie die Länge Rauchdauer und Aroma beeinflusst

Wenn das Ringmaß über die Art des Rauches entscheidet, dann regelt die Länge die Zeit und damit die Dramaturgie. Eine Zigarre ist kein statisches Geschmacksbild, sondern eine Abfolge: Sie verändert sich, während die Glut von Fuß zum Kopf wandert. Die Länge bestimmt, wie viel Raum diese Entwicklung bekommt.

Das Drei-Drittel-Prinzip

Kenner sprechen gern von den drei Dritteln einer Zigarre. Das erste Drittel ist meist das mildeste und frischeste; hier wärmt sich die Zigarre auf und zeigt ihre helleren, oft blumigen oder leicht süßlichen Töne. Das zweite Drittel ist das Herzstück: Die Aromen werden runder, tiefer und ausgewogener, häufig erreicht die Zigarre hier ihren Höhepunkt. Das letzte Drittel schließlich wird kräftiger und konzentrierter, weil sich Kondensate ansammeln und die Glut dem Kopf näher kommt – würzig, erdig, manchmal etwas streng.

Ein langes Format wie die Churchill oder Doble Corona dehnt diese drei Phasen weit aus und macht die Übergänge erlebbar – jedes Drittel hat Zeit, sich voll zu entfalten. Ein kurzes Format wie die Petit Corona oder Perla rafft denselben Bogen in 30 Minuten oder weniger; die Phasen folgen schneller aufeinander, das Erlebnis ist konzentrierter und unmittelbarer. Beides hat seinen Reiz, und die Wahl hängt schlicht davon ab, wie viel Zeit und Muße zur Verfügung stehen. Die Habanos-Angaben in der folgenden Grafik zeigen, wie weit die Rauchdauer je nach Format auseinanderliegt.

Balkendiagramm der ungefähren Rauchdauer nach Angaben von Habanos: Panetela rund 15 Minuten, Perla rund 20, Petit Corona rund 30, Edmundo rund 50, Pirámide rund 60, Doble Corona gut 75 Minuten.
Rauchdauer ausgewählter Werksformate nach Angaben von Habanos – von einer Viertelstunde bei der Panetela bis gut 75 Minuten bei der Doble Corona. Wer ruhiger raucht, braucht länger.

Wärmeentwicklung über die Länge

Mit fortschreitendem Rauchen rückt die Glut dem Mund näher, und die Zigarre wird tendenziell wärmer und kräftiger. Bei langen Formaten bleibt das letzte, intensivste Drittel angenehm weit vom Gaumen entfernt, was den Genuss bis fast zum Ende kühl hält. Bei kurzen Formaten ist dieser Puffer geringer; man legt sie üblicherweise etwas früher ab. Eine alte Faustregel lautet, eine Zigarre dann ruhen zu lassen, wenn sie unangenehm heiß oder bitter wird – das tritt bei kurzen Formaten naturgemäß früher in Relation zur Gesamtlänge ein.

Länge und Ringmaß wirken stets zusammen. Eine lange, dünne Lancero und eine lange, dicke Doble Corona haben beide rund 190 Millimeter, fühlen sich aber völlig verschieden an: die eine fein und konzentriert, die andere voll und gemächlich. Erst das Zusammenspiel beider Maße ergibt den vollständigen Charakter eines Formats.

Figurados: Pirámide, Belicoso, Perfecto und Diademas

Die geformten Zigarren verdienen eine eigene Betrachtung, denn ihre besondere Silhouette stellt eigene Anforderungen – sowohl an den Roller als auch an den Genießer. Vier Figurado-Typen sind besonders bedeutsam.

Pirámide (Torpedo)

Die Pirámide läuft von einem breiten Fuß (Ringmaß um 52) zu einem spitzen Kopf zusammen. Diese Form bündelt den Rauch und sorgt zu Beginn für ein konzentriertes, fokussiertes Geschmacksbild, das sich mit zunehmendem Rauchen verbreitert. Die Montecristo No. 2 ist ihr berühmtester Vertreter. Im Sprachgebrauch werden Pirámide und Torpedo oft gleichgesetzt; streng genommen hat die klassische kubanische Pirámide einen offenen Fuß und einen spitzen Kopf.

Belicoso

Die Belicoso (Werksname Campana, „Glocke“) ist kürzer und gedrungener als die Pirámide und hat eine kurze, rundlich-spitze Kuppe statt einer langen Spitze. Sie vereint etwas vom fokussierenden Charakter der Pirámide mit der Handlichkeit eines kürzeren Formats. Ein klassischer Vertreter sind die Bolívar Belicosos Finos. Die Belicoso ist ein guter Einstieg in die Welt der Figurados, weil ihre Kuppe weniger heikel anzuschneiden ist als die lange Spitze einer Pirámide.

Perfecto

Die Perfecto ist an beiden Enden geschlossen und verjüngt sich sowohl zum Kopf als auch zum Fuß, während sie in der Mitte bauchig anschwillt. Diese Doppelspitze macht sie zur aufwendigsten Standardform. Der spitz zulaufende, geschlossene Fuß wird beim Anzünden behutsam angeröstet. Zu Beginn prägen Deck- und Umblatt den Geschmack, bis die Glut die breiteste Stelle erreicht und die eigentliche Mischung zur Geltung kommt. Habanos nennt diese Form Doppel-Figurado; im kubanischen Sortiment ist sie heute selten, abgesehen von der Marke Cuaba, die ausschließlich solche Formate fertigt. Perfectos gelten als kleine Kunststücke des Rollhandwerks.

Diademas

Die Diademas sind die größten und anspruchsvollsten Figurados: sehr lang (oft über 200 Millimeter), mit spitzem Kopf und meist bauchigem Körper. Sie sind Schaustücke und Liebhaberobjekte, keine Alltagszigarren, und verlangen erhebliche Zeit. Bekanntestes Beispiel ist die Cuaba Diademas, die Habanos 2003 als großen Doppel-Figurado ins Sortiment aufnahm. Wegen ihrer Größe und Komplexität wurden Diademas stets nur in begrenzten Mengen gefertigt; im aktuellen Habanos-Katalog ist keine Diademas mehr verzeichnet.

Besonderheiten beim Anschneiden und Rauchen

Figurados mit spitzem Kopf verlangen beim Anschneiden besondere Sorgfalt. Bei einer Pirámide oder Belicoso schneidet man nur die äußerste Spitze ab – gerade so viel, dass eine kleine Öffnung entsteht. Ein zu tiefer Schnitt entfernt zu viel Deckblatt, kann die Zigarre zum Aufrollen bringen und zerstört vor allem die fokussierende Wirkung der Spitze, die ja den ganzen Reiz dieser Form ausmacht. Ein gerader Schnitt knapp unterhalb der Spitze ist hier oft besser als ein Loch- oder V-Schnitt. Habanos empfiehlt, Figurados etwa drei Millimeter unterhalb der Spitze anzuschneiden, und rät von V-Schneidern ab, weil sie die Kappe einreißen können; ein Lochschneider kann spitze Köpfe ohnehin nicht schneiden.

Auch beim Rauchen spielen Figurados ihre Eigenheiten aus. Weil sich ihr Durchmesser über die Länge verändert, wandelt sich der Charakter spürbar: Die Pirámide beginnt schmal und konzentriert und öffnet sich in Volumen und Fülle, je weiter die Glut zum breiten Fuß vordringt. Das macht sie zu einem dramaturgisch besonders reizvollen Format – verlangt aber Geduld und ein ruhiges Tempo, damit der schmale Kopfbereich nicht überhitzt.

Welches Format passt zu welchem Anlass?

Am Ende ist die Formatwahl eine Frage der Gelegenheit, der verfügbaren Zeit und des persönlichen Geschmacks. Die Geometrie liefert dafür eine klare Landkarte. Wie Format und Preis zusammenhängen und warum eine Churchill mehr kostet als eine Petit Corona, zeigt der Preisüberblick. Eine ausführliche Entscheidungshilfe bietet der Ratgeber zur Auswahl; hier die Grundzüge.

Wenig Zeit, voller Genuss
Petit Corona, Perla oder Robusto. Kurze Formate liefern nach den Angaben von Habanos in rund 20 bis 40 Minuten ein vollständiges Erlebnis – ideal für eine Pause oder den Feierabend unter der Woche.
Der ruhige Abend
Churchill, Doble Corona oder Lancero. Lange Formate entfalten ihre volle Dramaturgie über rund eine Stunde und mehr und belohnen Muße.
Einsteiger und Markenkennenlernen
Corona oder Petit Corona. Das schlanke Ringmaß zeigt die Handschrift einer Marke unverstellt und ist ein guter Maßstab. Habanos rät Einsteigern ebenfalls zu kleineren Formaten, zu einer Vitola, die viele Marken führen, etwa der Mareva, und zu einer der milderen Marken. Wer einen kühleren, volleren Rauch bevorzugt, findet auch in einer Robusto einen zugänglichen Einstieg, etwa in der milden Hoyo de Monterrey Epicure No. 2.
Volles, kühles Rauchvolumen
Robusto und Toro. Das dicke Ringmaß sorgt für einen üppigen, kühlen Rauch und verzeiht ein etwas rascheres Tempo.
Feinheit und Nuancen
Lancero und Panetela. Das dünne Ringmaß konzentriert die Aromen und liefert eine besonders präzise, aromatische Erfahrung für aufmerksame Genießer.
Etwas Besonderes
Pirámide, Belicoso oder eine andere Figurado-Form. Ihre wechselnde Geometrie macht sie zu einem Erlebnis für besondere Anlässe.

Ein Lieblingsformat über Marken hinweg verfolgen

Eine der praktischsten Anwendungen des Vitola-Wissens ist die gezielte Suche nach einem Format über Markengrenzen hinweg. Wer festgestellt hat, dass ihm das Robusto-Format zusagt, kann dieselbe Geometrie bei vielen Häusern erleben und so vergleichen, wie unterschiedlich Marken denselben Rahmen füllen. Die Partagás Serie D No. 4 zeigt die erdig-würzige Schule, die Cohiba Robustos die feine, elegante, die Bolívar Royal Coronas die kräftig-robuste und die Hoyo de Monterrey Epicure No. 2 die mild-cremige. Vier Robustos, vier Temperamente – ein lehrreiches Vergleichsfeld.

Der Formatvergleich über Marken hinweg funktioniert mit jedem Format. Wer Pirámides mag, vergleicht die Montecristo No. 2 mit der Partagás Serie P No. 2 oder der H. Upmann No. 2, die dasselbe Werksformat tragen; wer Lanceros schätzt, stellt den Cohiba Lanceros verwandte Formate gegenüber. So wird das Format zum roten Faden einer systematischen Entdeckungsreise durch die kubanischen Marken – von Romeo y Julieta über H. Upmann und Punch bis zu Trinidad und Ramón Allones. Die Auswahl und die richtige Lagerung begleiten diese Reise.

Eine letzte Empfehlung: Wer das Format-Vokabular wirklich verinnerlichen will, raucht dieselbe Marke einmal in verschiedenen Vitolas. Die Erfahrung, wie sich die Handschrift einer Marke als schlanke Corona und als dicke Robusto verschieden anfühlt, lehrt mehr über Vitolas als jede Tabelle. Das richtige Zubehör und ein sauberer Schnitt beim Anschneiden sorgen dafür, dass jedes Format sein Potenzial entfalten kann. Begriffe, die hier ungeklärt blieben, erläutert das Glossar; häufige Stolpersteine behandelt der Ratgeber zu den typischen Fehlern.

Tabakgenuss ist Erwachsenen ab 18 Jahren vorbehalten. Zigarrenrauch wird nicht inhaliert, sondern im Mund geschmeckt; der Genuss erfolgt bewusst und in Maßen. Welches Format man wählt, ändert daran nichts – auch die kürzeste Petit Corona will mit Ruhe und ohne Hast genossen werden.

Häufige Fragen

Was bedeutet das Wort Vitola bei Zigarren?
Vitola bezeichnet das Format einer Zigarre, also ihre durch Länge und Ringmaß definierte Gestalt. Im kubanischen System hat der Begriff zwei Ebenen: Die Vitola de Galera ist der Werksname, unter dem die Fabrik ein bestimmtes Maß fertigt, etwa Mareva oder Robusto. Die Vitola de Salida ist der Handelsname auf der Kiste, etwa Petit Corona oder Churchill. Ein Werksformat erscheint deshalb oft unter mehreren Marken und Handelsnamen: Hinter der Partagás Serie D No. 4, der Cohiba Robustos und der Bolívar Royal Coronas steckt dasselbe Werksformat Robusto mit 124 Millimetern Länge und Ringmaß 50. Die Zigarren teilen das Maß, schmecken aber verschieden, weil jede Marke ihre eigene Tabakmischung verwendet.
Was ist das Ringmaß einer Zigarre und wie rechnet man es in Millimeter um?
Das Ringmaß, spanisch Cepo, gibt den Durchmesser einer Zigarre in Vierundsechzigstel Zoll an. Für die Umrechnung teilt man das Ringmaß durch 64 und multipliziert mit 25,4, denn ein Zoll misst exakt 25,4 Millimeter. Ein Ringmaß von 50 entspricht so etwa 19,8 Millimetern, ein Ringmaß von 42 rund 16,7 Millimetern und ein Ringmaß von 38 etwa 15,1 Millimetern. Drei Ankerpunkte genügen für die Orientierung: 38 ist schlank (Lancero), 42 die klassische Mitte (Corona), 50 kräftig und voluminös (Robusto). Bei kubanischen Zigarren reicht die Spanne im aktuellen Habanos-Katalog von 26 (Cohiba Panetelas) bis 58 (Cohiba Behike 58).
Was bedeutet eine Angabe wie 178 x 47 bei Zigarren?
Das ist die international übliche Schreibweise für die Maße einer Zigarre: Die erste Zahl ist die Länge, die zweite das Ringmaß. 178 x 47 bedeutet also 178 Millimeter Länge (7 Zoll) und ein Ringmaß von 47/64 Zoll, rund 18,7 Millimeter Durchmesser – das ist das Werksformat Julieta No. 2, bekannt als Churchill. Manchmal steht die Länge auch in Zoll, etwa 7 x 47. Bei geformten Zigarren bezieht sich die Ringmaßzahl stets auf die dickste Stelle des Körpers; eine Pirámide mit 156 x 52 erreicht das Ringmaß 52 also nur im breiten Teil zum Fuß hin.
Welche Werksnamen (Vitolas de Galera) sollte man kennen?
Einige Werksnamen tauchen bei kubanischen Zigarren immer wieder auf. Die Mareva (129 x 42) ist die Petit Corona, etwa die Montecristo No. 4. Die Corona misst 142 x 42, die Cervantes (165 x 42) ist die Lonsdale, die Julieta No. 2 (178 x 47) die Churchill und die Prominente (194 x 49) die Doble Corona. Robusto (124 x 50) und Edmundo (135 x 52) tragen Werks- und Handelsnamen gleich. Die Laguito No. 1 (192 x 38) ist die Lancero, die Pirámide (156 x 52) der bekannteste Figurado und die Campana (140 x 52) die Belicoso. Wer diese zehn Namen kennt, kann viele bekannte Habanos auf Anhieb einordnen. Die Maße stammen aus dem Katalog von Habanos. Im Katalog, dem Vitolario, stehen viele Werksnamen in der Mehrzahl – etwa Marevas, Robustos, Prominentes oder Campanas –, in der Formatübersicht von Habanos in der Einzahl; gemeint ist jeweils dasselbe Format.
Was ist der Unterschied zwischen Parejo und Figurado?
Ein Parejo ist eine gerade, zylindrische Zigarre mit über die ganze Länge gleichem Durchmesser – etwa Robusto, Corona, Churchill oder Lancero. Ein Figurado weicht von dieser Form ab: Es verjüngt sich, ist bauchig oder an den Enden zugespitzt, wie die Pirámide, Belicoso, Perfecto oder Diademas. Figurados gelten als Königsdisziplin des Rollens, weil sich ihr Ringmaß über die Länge ändert und der Zug dennoch gleichmäßig bleiben muss; die kompliziertesten Formate fertigen bei Habanos nur Roller der höchsten Rangstufe. Ihre wechselnde Geometrie lässt den Charakter beim Rauchen spürbar wandeln.
Was ist der Unterschied zwischen Pirámide, Torpedo und Belicoso?
Die Pirámide ist ein Figurado mit breitem Fuß und spitz zulaufendem Kopf; das kubanische Werksformat misst 156 x 52, bekanntester Vertreter ist die Montecristo No. 2. Torpedo ist ein allgemeiner Name, den man im Sprachgebrauch meist gleichbedeutend mit Pirámide verwendet; auch Habanos führt Torpedo als geläufige Bezeichnung der Pirámide. Die Belicoso (Werksname Campana, 140 x 52) ist kürzer und hat statt einer langen Spitze eine kurze, rundlich-spitze Kuppe, etwa bei den Bolívar Belicosos Finos. Alle drei schneidet man knapp unterhalb der Spitze an, damit die fokussierende Form erhalten bleibt.
Was ist der Unterschied zwischen Corona und Petit Corona?
Corona und Petit Corona haben dasselbe Ringmaß 42, also rund 16,7 Millimeter Durchmesser, unterscheiden sich aber in der Länge. Die Corona misst 142 Millimeter, die Petit Corona – Werksname Mareva – 129 Millimeter. Damit ist die Petit Corona die kompaktere Schwester mit demselben schlanken Profil. Bekanntestes Beispiel ist die Montecristo No. 4, laut Habanos die meistverkaufte Habano der Welt; eine klassische Corona ist die Montecristo No. 3. Habanos nennt für die Mareva rund 30 Minuten Rauchdauer, für die Corona etwas mehr als eine halbe Stunde.
Was ist der Unterschied zwischen einer Robusto und einer Toro?
Beide haben das dicke Ringmaß 50, unterscheiden sich aber in der Länge: Die Robusto misst im kubanischen Werksformat 124 Millimeter, die Toro rund 155 Millimeter. Ein Werksformat namens Toro gibt es auf Kuba nicht; am nächsten kommt die Vitola de Galera Dobles (155 x 50), etwa bei der Montecristo Double Edmundo. Die Toro ist gewissermaßen die verlängerte Robusto – sie verbindet das volle, kühle Rauchvolumen des dicken Ringmaßes mit einer längeren Strecke, die mehr Raum für Aromaentwicklung lässt, und braucht entsprechend mehr Zeit.
Wie lange dauert das Rauchen einer Robusto?
Habanos nennt für die Robusto (124 Millimeter, Ringmaß 50) eine Rauchdauer von 30 bis 40 Minuten. Wer sehr ruhig raucht und zwischen den Zügen längere Pausen lässt, braucht spürbar länger. Das dicke Ringmaß sorgt für einen kühlen, voluminösen Rauch, die kurze Länge hält die Zeit handlich. Damit ist die Robusto ein ideales Feierabendformat – genug Substanz für Tiefe, ohne einen ganzen Abend zu beanspruchen. Hastiges Ziehen überhitzt den Tabak und verkürzt das Vergnügen. Mehr zum richtigen Tempo unter Rauchen.
Welches Zigarrenformat hat die längste Rauchzeit?
Unter den verbreiteten Parejo-Formaten ist die Doble Corona (Werksname Prominente, 194 x 49) das längste; Habanos nennt dafür gut eine Stunde und eine Viertelstunde. Die Churchill (178 x 47) braucht laut Habanos über eine Stunde. Noch länger ist die Gran Corona (235 x 47), im aktuellen Habanos-Katalog vertreten durch die Montecristo A. Große Figurados wie die Cuaba Diademas gehören nicht mehr zum regulären Sortiment. Bei ruhigem Tempo können alle diese Formate länger dauern – sie sind kein Alltagsgenuss, sondern ein Ereignis für den ruhigen Abend mit Muße.
Welches Zigarrenformat ist gut für Einsteiger?
Für Einsteiger eignen sich die Petit Corona (129 Millimeter, Ringmaß 42) und die Corona (142 Millimeter, Ringmaß 42) besonders gut. Ihr schlankes Ringmaß zeigt die Handschrift einer Marke unverstellt, und die Petit Corona liefert in rund einer halben Stunde ein vollständiges Erlebnis. Habanos rät Neulingen ebenfalls zu kleineren Formaten wie der Mareva, die viele Marken führen, und zu milderen Marken – etwa zur Por Larrañaga Petit Coronas (mild bis mittel). Der Klassiker in diesem Format, die Montecristo No. 4, ist dagegen mittel bis kräftig. Wer einen kühleren, volleren Rauch bevorzugt, findet in einer Robusto wie der Hoyo de Monterrey Epicure No. 2 eine gute Alternative. Mehr zur Wahl unter Auswahl.
Beeinflusst das Ringmaß Stärke und Geschmack einer Zigarre?
Die Stärke bestimmt das Ringmaß nicht direkt – darüber entscheidet die Tabakmischung, und eine dicke Zigarre kann mild, eine dünne kräftig sein. Das Ringmaß beeinflusst aber, wie sich das Aroma entfaltet. Dünne Formate rauchen schneller ab und konzentrieren die Aromen laut Habanos auf der Zunge zu einem etwas schärferen Eindruck; ihr Deckblattanteil ist zwar größer, wie viel das Deckblatt zum Geschmack beiträgt, ist aber umstritten. Dicke Formate brennen langsamer und liefern einen kühleren, runderen Rauch, in dem die Einlage dominiert. Deshalb schmeckt dieselbe Marke in verschiedenen Formaten unterschiedlich. Die Blender gleichen das teilweise aus: Bei dünnen Formaten lassen sie etwa den kräftigen Ligero aus der Mischung weg.
Was ist eine Lancero und was macht sie besonders?
Die Lancero (Werksname Laguito No. 1) ist 192 Millimeter lang, hat aber nur ein zierliches Ringmaß von 38 und trägt am Kopf ein gedrehtes Schwänzchen, den Rabo de Cochino. Entstanden ist das Format in der Havanner Fabrik El Laguito, der Heimat von Cohiba. Der schmale Durchmesser konzentriert die Aromen laut Habanos auf der Zunge, weshalb Lanceros oft besonders aromatisch und nuanciert wirken. Sie gelten als Kennerzigarren und verlangen ein ruhiges Tempo, weil der dünne Strang schneller heiß wird; Habanos rechnet mit knapp einer Stunde. Die Cohiba Lanceros haben das Format weltberühmt gemacht.
Wie schneidet man eine Pirámide oder eine Torpedo an?
Bei einem spitz zulaufenden Figurado wie der Pirámide oder Belicoso schneidet man nur die äußerste Spitze ab – Habanos empfiehlt etwa drei Millimeter unterhalb der Spitze. So entsteht eine Öffnung, die einen freien Zug erlaubt, während genug Kappe stehen bleibt. Ein zu tiefer Schnitt entfernt zu viel Deckblatt, kann die Zigarre zum Aufrollen bringen und zerstört die fokussierende Wirkung der Spitze. Ein gerader Schnitt mit Guillotine oder Schere ist hier meist besser als ein V-Schnitt, der die Kappe einreißen kann; ein Lochschneider kann spitze Köpfe nicht schneiden. Details unter Anschneiden.

Quellen und weiterführende Links

  1. Principal shapes and sizes – Habanos S.A., HavannaOffizielle Übersicht von Habanos S.A. zu Werks- und Handelsnamen, Maßen, Ringmaß, Rauchdauer und zum Einfluss des Formats auf den Geschmack.
  2. Vitolario (Catalogue) – Habanos S.A., HavannaInteraktiver Katalog (Vitolario) von Habanos S.A. mit Werksformat, Länge und Ringmaß jeder Habano im Sortiment.
  3. Montecristo Brand – Habanos S.A., HavannaMarkenporträt von Habanos S.A. zu Montecristo: Herkunft des Namens, Einführung von Edmundo und Double Edmundo sowie die No. 4 als meistverkaufte Habano.
  4. Romeo y Julieta Brand – Habanos S.A., HavannaMarkenporträt von Habanos S.A. zu Romeo y Julieta, einschließlich der Herkunft des Formatnamens Churchill seit 1946.
  5. Cuaba Brand – Habanos S.A., HavannaMarkenporträt von Habanos S.A. zu Cuaba, der Marke der Doppel-Figurados, mit den 2003 eingeführten großen Formaten wie der Diadema.
  6. The craft of the Torcedor – Habanos S.A., HavannaHabanos S.A. beschreibt Werkzeug, Arbeitsschritte und Rangstufen der Torcedores; nur die höchste Stufe rollt die aufwendigsten Formate.
  7. Choosing, cutting, lighting and smoking – Habanos S.A., HavannaHabanos S.A. zur Formatwahl nach verfügbarer Zeit, zum Anschneiden von Figurados rund 3 mm unter der Spitze und zur Eignung verschiedener Schneider.
  8. Effects of Varying Tobacco Rod Circumference on Cigarette Combustion: An Experimental Investigation – Deng et al., Contributions to Tobacco & Nicotine Research 28 (6), 2019, S. 286–296, doi:10.2478/cttr-2019-0008Experimentelle Studie an Zigaretten: Ein geringerer Umfang führt zu höherer Glut-Temperatur und schnellerem Abbrand.
  9. NIST Guide to the SI, Appendix B.8: Factors for Units Listed Alphabetically – National Institute of Standards and Technology (NIST), USAUmrechnungstabelle des US-Normeninstituts NIST: Ein Zoll entspricht exakt 0,0254 Metern, also 25,4 Millimetern.
  10. What's a Cuban Cigar Factory Name? – Cigar Aficionado (CA Editors, 20.05.2019)Cigar Aficionado erklärt Vitola de Galera und Vitola de Salida mit einer Tabelle wichtiger kubanischer Werksnamen.
  11. Habanos, S.A. unveiled Trinidad Vigía Reserva Cosecha 2022, the first reserva in Trinidad’s history – Habanos S.A., HavannaMitteilung von Habanos S.A. zur Trinidad Vigía Reserva Cosecha 2022; sie nennt die Maße mit dem Ringmaß zuerst („54 x 110 mm“), also in umgekehrter Reihenfolge.