Kubanische Zigarre richtig rauchen: Tempo, Asche und Aromen

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Eine kubanische Zigarre raucht man richtig, indem man den Rauch nur im Mund schmeckt, statt ihn zu inhalieren, als Faustregel etwa einen Zug pro Minute nimmt und die Asche ruhig stehen lässt, bis sie etwa zwei bis drei Zentimeter lang ist. Die Zigarre wird nicht geraucht wie eine Zigarette, sondern genossen: mit Ruhe, gleichmäßigem Tempo und bewusstem Schmecken am Gaumen. Wer die Aromen über die drei Drittel hinweg verfolgt und die Zigarre rechtzeitig ablegt, holt aus ihr heraus, was Roller, Klima und Reifung in sie hineingelegt haben. Diese Seite erklärt Schritt für Schritt, wie das gelingt — vom ersten bewussten Zug bis zum Ablegen im Aschenbecher.

Auf einen Blick

Warum inhaliert man Zigarrenrauch nicht?

Der wichtigste Grundsatz steht am Anfang, weil alles andere darauf aufbaut: Zigarrenrauch wird im Mund geschmeckt, nicht in die Lunge inhaliert. Wer von der Zigarette kommt, muss sich diese eine Gewohnheit bewusst abgewöhnen. Eine Zigarette wird tief inhaliert, weil der Raucher das Nikotin schnell über die große Oberfläche der Lungenbläschen ins Blut aufnehmen will. Bei der Zigarre ist das weder nötig noch erwünscht — und es wäre schlicht unangenehm. Auch Habanos, die Vertriebsgesellschaft der kubanischen Zigarrenmarken, stellt in ihren offiziellen Hinweisen zum Auswählen, Anschneiden, Anzünden und Rauchen klar, dass eine Zigarre keine Zigarette ist und nicht inhaliert wird.

Der Grund liegt in der Chemie des Rauchs. Zigarettentabak besteht zu einem großen Teil aus heißluftgetrocknetem, zuckerreichem Virginia-Tabak; sein Rauch reagiert leicht sauer. Zigarrentabak dagegen wird luftgetrocknet und fermentiert und enthält kaum Zucker; der Rauch einer Zigarre reagiert deshalb eher basisch (alkalisch). In einer viel zitierten Messung von Armitage und Turner in der Fachzeitschrift Nature (1970) lag der pH-Wert des Zigarrenrauchs bei 8,5, der des Zigarettenrauchs bei 5,3.

Der unterschiedliche pH-Wert hat spürbare Folgen. Saurer Rauch lässt sich gut inhalieren, weil er die empfindlichen Schleimhäute der Atemwege wenig reizt; das Nikotin wird in dieser Form erst tief in der Lunge wirksam aufgenommen. Basischer Rauch dagegen reizt die Atemwege stark — der Körper wehrt sich mit Husten, Brennen und Würgereiz, sobald man ihn in die Lunge zieht. Genau dieser basische Charakter sorgt aber dafür, dass das Nikotin bereits über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. Man bekommt seine Wirkung also ganz ohne Inhalieren.

Praktisch heißt das: Man zieht den Rauch in den Mundraum, lässt ihn dort einen Moment verweilen, schmeckt ihn — und bläst ihn wieder aus. Der Mund, die Zunge, der Gaumen und (über das Retrohaling, dazu später) die Nase sind die Sinnesorgane des Genusses. Die Lunge bleibt außen vor. Wer das beherzigt, vermeidet nicht nur Husten und Schwindel, sondern schmeckt überhaupt erst, was die Zigarre zu bieten hat: Aromen entfalten sich am Gaumen und retronasal, nicht in der Lunge. Mehr zu den typischen Einsteigerfehlern — und zum Inhalieren als einem der bekanntesten davon — steht auf der Seite Fehler vermeiden.

Nikotin wird trotzdem aufgenommen. Auch ohne zu inhalieren nimmt der Körper über die Mundschleimhaut Nikotin auf — bei einer kräftigen Zigarre sogar mehr, als manche erwarten. Deshalb raucht man am besten nicht auf nüchternen Magen und gönnt sich zwischendurch Wasser. Schwindel oder Übelkeit (der sogenannte „Nikotin-Flash“) sind ein Zeichen, dass man zu schnell oder zu viel geraucht hat.

Was sich gegenüber der Zigarette ändert

Für Umsteiger lohnt es sich, die Unterschiede einmal nebeneinanderzustellen, denn fast jeder Anfängerfehler ist eine aus der Zigarettenwelt mitgebrachte Gewohnheit. Die Zigarette wird inhaliert, schnell geraucht, oft dauerhaft im Mund behalten, am Ende ausgedrückt — und das Aroma spielt kaum eine Rolle. Bei der Zigarre ist alles anders: Der Rauch bleibt im Mund, das Tempo ist gemächlich, die Zigarre ruht zwischen den Zügen in der Hand oder im Aschenbecher, und sie wird am Ende abgelegt statt zerquetscht. Vor allem aber steht der Geschmack im Mittelpunkt. Wer diese vier, fünf Gewohnheiten bewusst umstellt, hat die Grundlage des Zigarrengenusses bereits verstanden — alles Weitere auf dieser Seite ist Verfeinerung.

MerkmalZigaretteZigarre
Rauchwird tief inhaliertwird im Mund geschmeckt und wieder ausgeblasen
Rauch-pH (Messung von 1970)leicht sauer, um pH 5,3eher basisch, um pH 8,5
Nikotinaufnahmevor allem in der Lungebereits über die Mundschleimhaut
Temposchnell, Zug um Zuggemächlich, etwa ein Zug pro Minute
Zwischen den Zügenbleibt oft im Mundruht in der Hand oder im Aschenbecher
Aschewird ständig abgeklopftbleibt stehen und wird sanft abgestreift
Am Endewird ausgedrücktwird abgelegt und erlischt von selbst
Im Mittelpunktdie Nikotinwirkungdas Aroma

Wie schnell zieht man an einer Zigarre?

Wenn das Nicht-Inhalieren der erste Grundsatz ist, dann ist das Tempo der zweite — und der, an dem die meisten misslungenen Zigarren scheitern. Die bewährte Faustregel lautet: etwa ein Zug pro Minute. Das klingt langsam, und genau das ist der Sinn. Eine Zigarre ist kein Getränk, das man austrinkt, sondern ein langsam glimmendes Stück Tabak, das seine beste Seite nur bei niedriger Temperatur zeigt.

Was passiert, wenn man zu schnell zieht? Jeder Zug saugt frische Luft durch die Glut und facht sie an. Zieht man im Sekundentakt, brennt die Glut immer heißer. Und heißer Tabak schmeckt anders: Mit steigender Temperatur treten die feinen Aromen hinter scharfen, bitteren Noten zurück. Der Rauch wird scharf, bitter und kratzig. Eine eigentlich milde, elegante Zigarre kann so binnen weniger Minuten ungenießbar werden — nicht weil sie schlecht wäre, sondern weil sie überhitzt wurde. Dieser Zusammenhang ist so zentral, dass zu schnelles Rauchen als der häufigste Fehler überhaupt gilt, gerade bei Einsteigern.

Ein Zug pro Minute ist dabei keine starre Vorschrift, sondern ein Anker. So versteht auch die Schritt-für-Schritt-Anleitung zum richtigen Paffen auf zigarren.org den einen Zug pro Minute ausdrücklich als Faustregel, nicht als feste Vorgabe. Die richtige Frequenz hängt vom Format ab: Eine dünne Zigarre mit kleinem Ringmaß (etwa eine Panetela oder eine Lancero wie bei Cohiba) brennt von Natur aus heißer und konzentrierter — sie verlangt noch mehr Geduld. Eine dicke Robusto oder Toro mit viel Einlagetabak verträgt etwas mehr, bleibt aber ohnehin länger kühl. Auch die Umgebung spielt mit: Im Freien bei Wind facht jeder Luftzug die Glut zusätzlich an, drinnen bleibt sie ruhiger.

Wer unsicher ist, achtet auf zwei einfache Signale. Erstens den Geschmack: Wird der Rauch heiß und beißend, ist das Tempo zu hoch — dann legt man die Zigarre eine oder zwei Minuten weg und lässt sie abkühlen. Zweitens die Menge des Rauchs: Man braucht nicht möglichst dichte Wolken zu produzieren. Ein sanfter, mäßiger Zug genügt, um den Mund mit Rauch zu füllen. Lieber kürzer und seltener ziehen als kräftig und oft.

Es hilft, sich einen ruhigen Rhythmus aus Ziehen und Ruhen anzugewöhnen: ein, zwei sanfte Züge, dann die Zigarre aus dem Mund nehmen und sie in der Hand oder im Aschenbecher ruhen lassen, während man den Rauch schmeckt. In dieser Ruhephase kühlt die Glut ab, und man genießt das Nachklingen des Aromas am Gaumen. Dieser Wechsel ist der eigentliche Takt des Zigarrenrauchens — er stellt sich nach wenigen Zigarren von selbst ein und macht das ständige Auf-die-Uhr-Schauen überflüssig. Wer einmal den Unterschied zwischen einer in Ruhe und einer hastig gerauchten Zigarre derselben Sorte erlebt hat, vergisst die Lektion nicht mehr.

Vier Schritte zum genussvollen Rauchen einer Zigarre: Tempo halten, Asche stehen lassen, Aromen erschmecken, rechtzeitig ablegen
Vier Gewohnheiten, die über den Genuss entscheiden: ruhiges Tempo, ruhende Asche, bewusstes Schmecken und ein rechtzeitiger Abschluss.

Der erste Zug und die ersten Minuten

Der allererste Zug entscheidet über viel. Nachdem die Zigarre gleichmäßig angezündet ist — wie das gelingt, beschreibt die Seite Anzünden —, nimmt man sie locker in den Mund und zieht sanft. Der Rauch sollte ohne große Anstrengung kommen. Muss man kräftig saugen, war der Anschnitt vermutlich zu klein; kommt der Rauch fast von selbst und schmeckt dünn, wurde zu viel abgeschnitten. Das richtige Maß liegt dazwischen und lässt sich schon beim kalten Probezug (dem „Cold Draw“) vor dem Anzünden erahnen, der zugleich erste Aromen freigibt.

In den ersten Minuten ist es normal, dass die Zigarre noch nicht „rund“ schmeckt. Ein Hauch frischer Anzünd-Geschmack mischt sich in den Rauch, bis sich die Glut über den ganzen Fuß gesetzt hat. Man gibt der Zigarre diese Zeit und urteilt nicht zu früh. Hilfreich ist es, in den ersten Zügen vorsichtig auf den gleichmäßigen Abbrand zu achten: Glüht eine Seite des Fußes deutlich schneller, lässt sich das jetzt noch leicht korrigieren, indem man die zurückbleibende Seite kurz mit der Flamme nachröstet, bevor ein schiefer Brand zum Problem wird.

Wie man die Zigarre hält

Es gibt keine vorgeschriebene Haltung, aber ein paar bewährte Gewohnheiten. Eine Zigarre wird zwischen Daumen und Zeigefinger (oft zusätzlich gestützt vom Mittelfinger) gehalten, eher locker als verkrampft. Sie verbleibt nicht dauerhaft im Mund wie eine Zigarette, sondern wird zwischen den Zügen aus dem Mund genommen und ruht in der Hand oder im Aschenbecher. Auf den Kopf der Zigarre beißt man nicht — die Lippen genügen. Wer ihn dauernd durchnässt oder zerkaut, beschädigt das Deckblatt und macht den Zug schwammig. Ein trockener, sauberer Kopf trägt spürbar zum Genuss bei.

Die drei Drittel: wie sich der Geschmack entwickelt

Erfahrene Genießer denken eine Zigarre in drei Dritteln — und das ist mehr als eine Eselsbrücke. Eine Zigarre ist kein gleichbleibendes Produkt, sondern ein dynamisches: Ihr Geschmack wandelt sich vom ersten bis zum letzten Zug, und dieser Wandel folgt einem nachvollziehbaren Muster. Habanos selbst beschreibt, dass sich der Geschmack einer Long-Filler-Habano beim Rauchen stufenweise intensiviert. Wer diese Entwicklung verfolgt, erlebt eine Zigarre als kleine Reise statt als monotones Glimmen.

Der Grund für die Entwicklung ist physikalisch. Mit jedem Zug wird der Rauch durch den noch nicht verbrannten Teil der Zigarre gesaugt. Die kühleren, weiter vorn liegenden Tabake wirken dabei wie ein Filter und kondensieren einen Teil der Aromaöle und des Teers. Je weiter die Glut wandert, desto kürzer wird diese Filterstrecke — und desto konzentrierter, wärmer und kräftiger wird der Rauch. Den Charakter prägt außerdem der Aufbau: Deckblatt (Capa), Umblatt (Capote) und eine Einlage (Tripa) aus zwei bis vier Blattarten wie Volado, Seco und Ligero, die unterschiedlich gut brennen und verschieden viel zu Aroma und Stärke beitragen.

Schaubild der drei Drittel einer Zigarre: erstes Drittel mild und frisch mit Zeder und Heu, zweites Drittel ausgewogen mit Leder, Kaffee und Kakao, letztes Drittel kräftig und warm mit erdigen, pfeffrigen Noten
Die drei Drittel im Überblick: Mit kürzer werdender Filterstrecke wird der Rauch wärmer und kräftiger, die typischen Aromen verschieben sich von hell zu dunkel.

Das erste Drittel

Direkt nach dem Anzünden ist die Zigarre am kühlsten und am „längsten“ — die volle Filterstrecke liegt vor der Glut. Das erste Drittel ist daher meist das mildeste und frischeste. Hier zeigen sich helle, klare Noten: Zeder, Heu, geröstetes Brot, manchmal eine leichte Süße oder grasige Frische. Es lohnt sich, die ersten Minuten besonders aufmerksam zu schmecken, denn diese feinen Nuancen verschwinden später unter den kräftigeren Aromen. Ein leichtes „Ausbalancieren“ ist normal: In den ersten Zügen kann sich der frische Anzünd-Geschmack noch mit den Aromen mischen, bis sich die Zigarre „eingebrannt“ hat.

Das zweite Drittel

Im mittleren Teil hat die Zigarre ihre Betriebstemperatur erreicht und ist am ausgewogensten. Viele halten das zweite Drittel für den Höhepunkt: Die Aromen sind voll entwickelt, aber noch nicht überhitzt. Hier treten oft die markentypischen Noten am deutlichsten hervor — Leder, Kaffee, Nuss, Kakao, eine wärmende Würze. Wer eine Zigarre charakterisieren will, urteilt am ehrlichsten über dieses Drittel, weil es weder vom Anzünden noch von der Endhitze verfälscht ist.

Das letzte Drittel

Zum Ende hin wird die Filterstrecke kurz, die Glut sitzt nah am Kopf, und die Zigarre ist über die ganze Rauchzeit hinweg wärmer geworden. Messungen bestätigen das: Gegen Ende kommt der Rauch deutlich wärmer am Mund an als zu Beginn (Werte im Abschnitt zur Temperatur weiter unten). Das letzte Drittel ist deshalb das kräftigste, dichteste und wärmste. Die Aromen werden intensiv, oft erdig, pfeffrig, manchmal mit einer dunklen Süße wie Espresso oder Bitterschokolade. Bei kräftigen Zigarren kann es hier auch streng werden. Genau deshalb ist das Tempo jetzt besonders wichtig: Wer im letzten Drittel hetzt, ruiniert den Abschluss. Wer langsam macht und rechtzeitig aufhört, behält einen runden, befriedigenden Eindruck.

Retrohaling — durch die Nase riechen

Wer die volle Bandbreite einer Zigarre erschmecken will, kommt am Retrohaling nicht vorbei. Hinter dem etwas technisch klingenden Begriff steckt eine einfache Technik: Man lässt einen Teil des Rauchs nicht nur durch den Mund, sondern sanft durch die Nase entweichen. Damit nutzt man das retronasale Riechen — den Weg, auf dem Aromen vom Rachenraum nach oben in die Riechschleimhaut gelangen.

Das retronasale Riechen ist physiologisch bedeutsam, weil der Mensch viel mehr „schmeckt“, als die Zunge kann. Die Zunge unterscheidet nur wenige Grundqualitäten — süß, salzig, sauer, bitter, umami. Alles, was man an Komplexität als „Geschmack“ erlebt — Zeder, Kaffee, Leder, Gewürze —, ist zu einem großen Teil Geruch, der retronasal wahrgenommen wird. Der Neurowissenschaftler Gordon M. Shepherd beschreibt in einer Übersichtsarbeit in Nature (2006) über Geruchsbilder und das Aromasystem des Gehirns, wie stark der Geruchssinn — auch auf dem retronasalen Weg über den Rachen — die Aromawahrnehmung prägt. Wer Rauch nur im Mund hält und durch den Mund ausbläst, lässt einen großen Teil dieser Information ungenutzt. Erst der Weg durch die Nase macht die feinen, blumigen, würzigen und süßen Nuancen erlebbar.

Die Technik

Retrohaling will geübt sein, denn es kann anfangs in der Nase brennen. Man geht behutsam vor:

  1. Einen kleinen Zug nehmen und den Rauch im Mund sammeln — keinen großen, dichten Mund voll.
  2. Den Mund schließen und den Rauch mit der Zunge leicht nach hinten schieben.
  3. Den Rauch ganz langsam und in kleiner Menge über den Rachen nach oben durch die Nase ausströmen lassen — eher „entweichen“ als „ausblasen“.
  4. Auf die Aromen achten, die jetzt wahrnehmbar werden, und mit der Menge experimentieren.

Anfangs reicht ein winziger Anteil des Rauchs. Mit der Zeit findet man heraus, wie viel angenehm ist. Wichtig: Retrohaling ist kein Inhalieren — der Rauch geht nicht in die Lunge, sondern nur vom Mund über den Rachen durch die Nase nach außen.

Vorsicht bei kräftigen Zigarren. Je stärker und je weiter fortgeschritten die Zigarre, desto intensiver brennt der Rauch in der Nase. Bei einer milden Hoyo de Monterrey im ersten Drittel ist Retrohaling angenehm und aufschlussreich; bei einer kräftigen Partagás oder Bolívar im letzten Drittel kann es unangenehm scharf werden. Einsteiger üben am besten mit milden Formaten und im ersten Drittel — und dosieren die Rauchmenge klein.

Die Asche stehen lassen und sanft abstreifen

Ein häufiges Missverständnis: Wer von der Zigarette kommt, ist es gewohnt, die Asche ständig abzuklopfen. Bei der Zigarre ist das ein Fehler. Ein fester, langer Aschenkegel ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Er erfüllt sogar eine Funktion.

Die stehende Asche wirkt wie ein Dämmmantel um die Glut. Sie schränkt die Luftzufuhr an den Seiten ein und hält die Verbrennung kühler und gleichmäßiger. Das Fachmagazin Cigar Journal beschreibt den Effekt in einem Beitrag über Asche und Abbrand ebenso: Je länger die Asche, desto weniger Sauerstoff erreicht die Glut, und der Rauch kühlt ab. Klopft man die Asche dauernd ab, liegt die Glut frei, bekommt mehr Sauerstoff und brennt heißer — mit den bekannten Folgen für den Geschmack (siehe den Abschnitt zur Temperatur weiter unten). Lässt man die Asche dagegen stehen, bleibt der Rauch kühler und runder.

Was die Asche verrät

Die Asche gibt außerdem Hinweise auf Bauweise und Abbrand, ist aber kein sicheres Qualitätsurteil. Erfahrene Raucher lesen trotzdem einiges aus ihr ab:

Wann und wie abstreifen

Man lässt die Asche als Faustregel so lange stehen, bis sie etwa zwei bis drei Zentimeter erreicht oder zu kippen droht. Dann wird sie nicht abgeklopft, sondern sanft abgestreift: Man legt die Zigarre an den Rand des Aschenbechers und rollt sie leicht, sodass die Asche von selbst abbricht und liegen bleibt. Heftiges Klopfen kann die Glut stören und im schlimmsten Fall einen ungleichmäßigen Abbrand auslösen. Ein Zigarren-Aschenbecher mit breiter Ablagerinne und tiefer Mulde — mehr dazu auf der Seite Zubehör — macht das Ablegen und Abstreifen leicht.

Warum eine überhitzte Zigarre bitter schmeckt

Tempo, Asche und Geschmack hängen über eine einzige Größe zusammen: die Temperatur der Glut. Fast alle Geschmacksprobleme einer ansonsten guten Zigarre lassen sich auf zu hohe Hitze zurückführen. Es lohnt sich, diesen Mechanismus zu verstehen, weil man dann nicht stur Regeln befolgt, sondern selbst entscheiden kann.

Tabakrauch ist ein Gemisch aus Tausenden chemischer Verbindungen. In der Glut laufen stets mehrere Vorgänge nebeneinander ab: Flüchtige Stoffe wie Nikotin und feine Aromaöle gehen in den Rauch über und werden dabei nur teilweise zersetzt (Destillation), andere Bestandteile werden durch die Hitze in kleinere Moleküle aufgespalten (Pyrolyse). Wird die Glut durch schnelles Ziehen heißer, wird der Rauch schärfer, bitterer und kratziger, und die feinen Aromen für Zeder, Süße, Blumigkeit und Frische treten zurück. Der Rauch wird trocken und „heiß“ im Mund. Genau das meint man, wenn eine Zigarre „überrauchen“ kann.

Wie stark Ziehen und Ruhen die Glut beeinflussen, zeigen Messwerte, die das Chemie-Kapitel der Zigarren-Monografie des US-amerikanischen National Cancer Institute zusammenfasst: Während eines Zuges erreicht die Glut einer Zigarre rund 930 °C, zwischen den Zügen sinkt sie auf rund 820 °C. Der Rauch kommt am Mundende anfangs nur wenig über Raumtemperatur an, mit 25 bis 30 °C; in den folgenden Zügen steigt er allmählich auf über 50 °C und erreicht beim letzten Zug einer bis auf einen Zentimeter heruntergerauchten Zigarre bis zu 75 °C. Jede Ruhepause kühlt also die Glut, und der Weg zum Ende hin macht den Rauch wärmer.

Balkendiagramm: Die Glut einer Zigarre erreicht während eines Zuges rund 930 °C und sinkt zwischen den Zügen auf rund 820 °C; der Rauch kommt am Mund anfangs mit 25 bis 30 °C an, beim letzten Zug mit bis zu 75 °C
Ruhepausen kühlen die Glut spürbar, und zum Ende hin kommt der Rauch deutlich wärmer am Mund an. Messwerte laut NCI-Monografie 9, Kapitel 3; der letzte Wert gilt für eine bis auf einen Zentimeter heruntergerauchte Zigarre.

Daraus ergibt sich die ganze Praxis von selbst:

Ein weiterer Faktor ist die Feuchte des Tabaks. Eine zu trocken gelagerte Zigarre brennt von Natur aus heißer und schneller — sie schmeckt schärfer, ganz gleich, wie diszipliniert man raucht. Eine zu feuchte zieht schwer und schwelt. Die richtige Lagerung bei 65 bis 70 % relativer Luftfeuchte ist deshalb die Grundlage für jeden guten Abbrand; ausführlich behandelt das die Seite Lagerung & Humidor.

Abbrand korrigieren: schiefer Brand, Tunneling, Risse

Eine handgerollte Zigarre ist ein Naturprodukt aus mehreren Tabakblättern — und brennt nicht immer von allein schnurgerade. Wer den Abbrand im Auge behält und kleine Unregelmäßigkeiten früh korrigiert, vermeidet, dass aus einem Schönheitsfehler ein Geschmacksproblem wird. Die wichtigsten Phänomene und ihr Umgang:

Viele dieser Probleme lassen sich von vornherein vermeiden, indem man sorgfältig anzündet, ruhig raucht und ordentlich lagert. Die Fachbegriffe rund um den Abbrand — von Canoeing über Tunneling bis zum Durchblasen beim Wiederanzünden — erklärt das Glossar.

Ablegen und Wiederanzünden

Eine Zigarre muss nicht in einem Zug durchgeraucht werden — und sie muss zwischendurch auch nicht ständig gezogen werden. Sie verträgt Ruhepausen, und die sind sogar gesund für den Geschmack, weil die Glut dabei abkühlt.

Ablegen, ohne dass sie ausgeht

Legt man die Zigarre einfach auf die breite Ablagerinne des Aschenbechers, glimmt sie noch eine Weile von selbst weiter. Wer in ein Gespräch vertieft ist, kann sie also bedenkenlos kurz liegen lassen. Wichtig ist nur, dass sie frei liegt und nicht erdrückt wird. Will man eine längere Pause machen, hilft ein letzter, etwas kräftigerer Zug vor dem Ablegen, der die Glut noch einmal anfacht.

Wiederanzünden

Ist die Zigarre doch ausgegangen, ist das kein Beinbruch, denn sie lässt sich ohne Weiteres wieder anzünden. Vorher streift man die lose, kalte Asche vom Fuß ab, damit man auf frischen Tabak trifft, und bläst einmal sanft vom Kopf her durch die Zigarre, damit abgestandener Rauch entweicht (Purgen). Dann röstet man den Fuß wie beim ersten Mal vorsichtig und gleichmäßig an und zündet erst danach durch sanftes Ziehen wieder durch. Je kürzer die Pause, desto näher bleibt der Geschmack am Original; je länger die Zigarre kalt liegt, desto abgestandener schmeckt sie. Für das Rösten gilt dieselbe Technik wie beim ersten Anzünden: Zedernspan oder geruchsneutrales Gas-Feuerzeug, gleichmäßig und ohne Hast.

Kalter Rauch wird streng. Eine Zigarre, die schon lange aus ist (etwa über Nacht), schmeckt beim Wiederanzünden oft muffig und bitter. Man kann sie noch zu Ende rauchen, sollte aber keine Wunder erwarten. Wer den vollen Genuss will, raucht eine Zigarre in einer Sitzung — mit Pausen, aber am selben Abend.

Bis wohin raucht man eine Zigarre?

Eine der häufigsten Einsteigerfragen: Bis wohin raucht man eine Zigarre überhaupt? Die ehrliche Antwort lautet: so weit, wie es schmeckt — nicht weiter. Es gibt keine Pflicht, eine Zigarre bis zum letzten Zentimeter zu rauchen, und es ist auch keine Verschwendung, früher aufzuhören. Nach Habanos lässt sich eine Zigarre mindestens drei Viertel ihrer Länge mit Genuss rauchen.

Als grobe Orientierung gelten zwei Marken. Die erste ist die Banderole (das „Band“ oder „Ring“), der Papierring rund um den Kopf der Zigarre. Bei vielen Formaten ist das Erreichen der Banderole ein bequemer Hinweis, dass man im letzten Drittel angekommen ist. Manche entfernen das Band schon vorher — am besten erst, wenn es sich durch die Wärme der wandernden Glut von selbst leicht löst, denn vorzeitiges Ziehen kann das darunterliegende Deckblatt beschädigen.

Die zweite Marke ist der „Nub“ — der kurze Stummel, der am Ende übrig bleibt. Manche genießen eine Zigarre bis auf wenige Zentimeter, weil das letzte Drittel die konzentriertesten Aromen bietet; andere hören deutlich früher auf, sobald der Rauch ihnen zu heiß und zu streng wird. Beides ist richtig.

Ein guter Abschlusspunkt ist erreicht, wenn der Rauch unangenehm heiß wird, die Glut den Fingern zu nahe kommt oder der Geschmack kippt. Spätestens wenn die feinen Aromen ganz hinter Schärfe und Bitterkeit verschwinden, ist die Zigarre „durch“. Dann legt man sie in den Aschenbecher und lässt sie ausgehen — sie muss nicht ausgedrückt werden. Das gilt als der eleganteste Abschluss: Eine Zigarre wird abgelegt, nicht zerquetscht.

Ein letzter praktischer Hinweis zum Stummel: Damit der abgelegte Rest nicht über Minuten weiterglimmt und den Raum mit kaltem Rauchgeruch füllt, legt man ihn nicht auf die Ablagerinne, sondern in die tiefe Mulde des Aschenbechers, wo er von selbst rasch erlischt. Wer empfindlich auf den strengen Geruch erkalteten Tabaks reagiert, entsorgt den Stummel zeitnah und lüftet kurz. So bleibt vom Genuss nur die angenehme Erinnerung — und kein hartnäckiger Geruch in Polstern und Vorhängen.

Tasting-Vokabular und Aromen

Über Geschmack lässt sich erst sprechen, wenn man Worte dafür hat. Das Tasting-Vokabular der Zigarrenwelt ist über die Jahre gewachsen und beschreibt Aromen meist im Vergleich zu bekannten Dingen — man sagt nicht „es schmeckt gut“, sondern „es schmeckt nach Zedernholz mit einer Kaffeenote“. Diese Begriffe sind keine Esoterik, sondern eine nützliche gemeinsame Sprache.

Typische Aromen und wie man sie beschreibt

Zeder
Das vielleicht typischste Zigarrenaroma — holzig, frisch, leicht harzig. Es erinnert an die spanische Zeder, in der Zigarren gelagert werden, und prägt oft das erste Drittel.
Leder
Eine warme, trockene, leicht „tierische“ Note, die an altes Leder oder einen Sattel erinnert. Tritt häufig im mittleren Drittel kräftigerer Zigarren auf und gibt ihnen Tiefe.
Kaffee
Geröstet, dunkel, manchmal mit einer leichten Bitterkeit. Reicht von hellem Filterkaffee bis zu dunklem Espresso — Letzteres oft im letzten Drittel.
Kakao / Schokolade
Eine dunkle, leicht süße, manchmal bittere Note wie Zartbitterschokolade oder ungesüßtes Kakaopulver. Verleiht Zigarren eine angenehme Rundheit.
Nuss
Trocken, mild, freundlich — Mandel, Haselnuss oder Walnuss. Häufig in milderen Zigarren und im mittleren Drittel.
Pfeffer / Würze
Eine scharfe, kribbelnde Note, oft auf der Zunge oder beim Retrohaling in der Nase spürbar. Schwarzer Pfeffer, manchmal Zimt oder Muskat. Typisch für kräftige Zigarren und das letzte Drittel.
Heu / Gras
Eine helle, trockene, leicht grasige Frische, die an getrocknetes Gras oder Stroh erinnert. Oft in milden Zigarren und ganz zu Beginn.

Niemand muss alle diese Noten auf Anhieb herausschmecken. Das Tasting ist eine Übung: Je öfter man bewusst riecht und schmeckt — auch mithilfe des Retrohalings —, desto feiner wird die Wahrnehmung. Es hilft, sich nach jeder Zigarre kurz zu fragen, woran der Rauch erinnert hat, ohne nach der „richtigen“ Antwort zu suchen. Geschmack ist persönlich.

Stärke und Aromavielfalt auseinanderhalten

Eine Unterscheidung, die Einsteigern viel Verwirrung erspart: Stärke und Aromavielfalt sind nicht dasselbe. Mit Stärke ist unter Kennern vor allem die geschmackliche Wucht gemeint — die Dichte von Aroma und Körper, die Würze, der Nachhall —, nicht in erster Linie die Nikotinwirkung; auch die offizielle Habanos-Einstufung der Marken von „light“ bis „full“ ordnet ausdrücklich nach dem Geschmack. Die Aromavielfalt beschreibt dagegen, wie vielschichtig die einzelnen Geschmacksnoten sind. Es gibt milde Zigarren mit erstaunlich komplexem Aroma und kräftige Zigarren, die geschmacklich eher geradlinig sind. Eine Hoyo de Monterrey kann fein und nuanciert schmecken, ohne stark zu sein; eine Bolívar liefert viel Körper und Wucht. Wer das auseinanderhält, beschreibt Zigarren präziser und wählt gezielter aus — eine milde, aber aromatische Zigarre ist für viele der bessere Einstieg als eine kräftige, deren Stärke die feinen Noten überdeckt.

Eine Tasting-Routine aufbauen

Wer seinen Gaumen schulen möchte, geht systematisch vor. Es lohnt sich, dieselbe Zigarre mehrmals zu rauchen und auf die Veränderung über die drei Drittel zu achten, bevor man zur nächsten Marke wechselt — so lernt man einen Charakter wirklich kennen. Ein einfaches Notizbuch oder eine kurze Notiz nach jeder Zigarre (Format, Stärke, wahrgenommene Aromen pro Drittel, Abbrandverhalten) macht Fortschritte sichtbar und schärft die Erinnerung. Wichtig ist ein neutraler Gaumen: Wer vorher stark gewürzt gegessen oder Kaffee mit viel Zucker getrunken hat, schmeckt weniger. Ein Schluck Wasser zwischendurch setzt die Wahrnehmung gewissermaßen zurück. Mit der Zeit entsteht ein persönliches Geschmacksgedächtnis, das den Genuss von Mal zu Mal vertieft.

Marken als Aroma-Beispiele

Die großen kubanischen Marken haben über Jahrzehnte einen wiedererkennbaren Hausstil entwickelt. Sie taugen daher gut als Orientierung, in welche Richtung eine Zigarre schmecken könnte — wobei jede einzelne Zigarre und jeder Jahrgang Abweichungen zeigt:

Welche Marke und welches Format zu welchem Anlass und welcher Stärke passt, vertieft die Seite Auswahl; was Länge und Ringmaß über das Rauchverhalten verraten, erklärt die Seite Formate & Vitolas.

Pairing — Espresso, Rum, Whisky, Wasser

Eine Zigarre lässt sich pur genießen, doch das richtige Getränk kann den Genuss heben — und das falsche ihn stören. Das Grundprinzip des Pairings ist einfach: Das Getränk soll die Zigarre begleiten, nicht überdecken. Schwere, kräftige Aromen passen zu kräftigen Zigarren; feine, milde Getränke zu milden Zigarren. Eine ausführliche Pairing-Matrix nach der Stärke-Einstufung von Habanos, mit Rum, Whisky, Cognac, Kaffee und Tee, bietet die Seite zu Getränken.

BegleiterWarum es passtEher zu welcher Zigarre
Espresso / KaffeeDie Röst- und Bitternoten des Kaffees verstärken die Kaffee- und Kakaonoten der Zigarre; die Wärme harmoniert mit dem Rauch.Mittel bis kräftig, etwa Montecristo oder Partagás
RumDie natürliche Süße und die Karamell- und Vanillenoten gereiften Rums sind ein klassischer, „kubanischer“ Begleiter, der die Süße der Zigarre unterstreicht.Mittelkräftig bis kräftig
WhiskyEin gereifter Single Malt oder Bourbon bringt eigene Holz-, Torf- und Karamellnoten mit, die mit kräftigen Zigarren ein intensives Wechselspiel bilden.Kräftig, vollmundig (z. B. Bolívar)
WasserNeutral, klärt den Gaumen zwischen den Zügen und beugt Trockenheit vor. Immer eine gute Wahl, gerade neben einem stärkeren Getränk.Jede Zigarre, jederzeit

Stilles Wasser sollte eigentlich immer dabeistehen, auch wenn man ein anderes Getränk genießt: Es spült den Gaumen frei, hält den Mund feucht und mildert einen möglichen Nikotin-Flash. Wer den reinen Geschmack einer Zigarre kennenlernen will, raucht sie zunächst einmal nur mit Wasser — so verfälscht kein Getränk den Eindruck.

Was eher nicht passt

Letztlich ist Pairing Geschmackssache. Die Tabelle gibt bewährte Anhaltspunkte, doch der schönste Weg ist das eigene Ausprobieren — am besten in kleinen Schritten und mit einem Glas Wasser als neutralem Anker.

Ort, Tageszeit und Zeitbedarf einer Zigarre

Eine Zigarre wird vom Umfeld geprägt — Ort, Tageszeit und innere Verfassung verändern das Erlebnis spürbar. Wer den vollen Genuss sucht, achtet nicht nur auf die Zigarre selbst, sondern auch auf die Bedingungen, unter denen er sie raucht.

Drinnen oder draußen

Im Freien ist das Rauchen oft angenehmer, weil der Rauch abzieht und niemanden stört — doch Wind ist ein Gegner des ruhigen Abbrands. Jeder Luftzug facht die Glut an und kann zu schiefem Brand führen; an windigen Tagen muss man die Zigarre häufiger nachkorrigieren und sie mit der Hand abschirmen. In geschlossenen Räumen bleibt die Glut ruhiger und gleichmäßiger, dafür sollte für ausreichend Belüftung gesorgt sein, weil sich der intensive Rauch sonst in Textilien festsetzt. Eine windgeschützte Terrasse oder ein gut gelüfteter Raum sind ideale Kompromisse.

Die richtige Tageszeit und Verfassung

Klassischerweise gilt eine kräftige Zigarre als Abendvergnügen, nach einer Mahlzeit, in Ruhe und ohne Zeitdruck. Das hat einen praktischen Hintergrund: Eine starke Zigarre auf nüchternen Magen oder in Eile führt schnell zu Schwindel und Überforderung. Tagsüber, etwa nach dem Mittagessen, greift man eher zu einem milderen, kürzeren Format. Entscheidend ist, dass man genug Zeit hat — Habanos nennt für eine Robusto 30 bis 40 Minuten, bei sehr ruhigem Tempo wird es länger; eine Churchill oder Doble Corona braucht deutlich länger. Eine Zigarre unter Zeitdruck herunterzurauchen, widerspricht ihrem ganzen Wesen; lieber wählt man dann ein kleineres Format wie eine Petit Corona. Welches Format zu welchem Anlass passt, behandelt die Seite zur Auswahl ausführlich.

Aufmerksamkeit als Schlüssel

Der vielleicht unterschätzte Faktor ist die Aufmerksamkeit. Eine Zigarre nebenbei zu rauchen, während man auf den Bildschirm schaut, ist Verschwendung. Der eigentliche Genuss entsteht im bewussten Innehalten: das Aroma am Gaumen verfolgen, die Veränderung über die drei Drittel wahrnehmen, gelegentlich retrohalieren, zwischendurch einen Schluck Wasser oder Espresso nehmen. So wird aus einem Tabakprodukt ein kleines Ritual — und genau darin liegt der Reiz, den Kenner an der Sache schätzen.

Verantwortungsvoller Genuss

So sehr eine gute Zigarre ein Genussmittel ist — sie bleibt ein Tabakprodukt, und der Umgang damit gehört zur Kennerschaft dazu. Ein paar nüchterne Hinweise stehen deshalb am Schluss:

Wer diese Grundsätze beherzigt, hat die wichtigste Voraussetzung für echten Genuss bereits erfüllt: Er nimmt sich Zeit. Eine kubanische Zigarre belohnt Geduld — mit ruhigem Tempo, stehender Asche und wachem Gaumen entfaltet sie eine Tiefe, die der hastige Raucher nie zu Gesicht bekommt. Von hier aus führen die Wege weiter zum sauberen Anschneiden, zum richtigen Anzünden und — falls doch etwas schiefgeht — zur Übersicht der häufigsten Fehler.

Häufige Fragen

Inhaliert man eine Zigarre?

Nein. Zigarrenrauch wird im Mund geschmeckt und wieder ausgeblasen, nicht in die Lunge inhaliert; auch Habanos betont, dass eine Zigarre keine Zigarette ist. Der Grund liegt in der Chemie: Zigarrentabak wird luftgetrocknet und fermentiert, sein Rauch reagiert eher basisch und reizt die Atemwege stark, wenn man ihn inhaliert – der Körper wehrt sich mit Husten und Brennen. Zugleich wird das Nikotin aus basischem Rauch bereits über die Mundschleimhaut aufgenommen, Inhalieren ist also weder nötig noch vorgesehen. Den vollen Geschmack erlebt man am Gaumen und beim Retrohaling, dem sanften Ausatmen durch die Nase, nicht in der Lunge.

Wie schnell darf man an einer Zigarre ziehen?

Als Faustregel gilt etwa ein Zug pro Minute. Zieht man häufiger, facht jeder Zug die Glut an, die Zigarre überhitzt, und der Rauch wird scharf, bitter und kratzig. Eine eigentlich milde Zigarre kann so binnen Minuten ungenießbar werden. Dünne Formate mit kleinem Ringmaß brennen heißer und verlangen noch mehr Geduld. Schmeckt der Rauch heiß und beißend, legt man die Zigarre ein bis zwei Minuten ab und lässt sie abkühlen. Mehr dazu unter Fehler vermeiden.

Was sind die drei Drittel einer Zigarre?

Genießer teilen eine Zigarre gedanklich in drei gleich lange Abschnitte, weil sich der Geschmack über die Rauchzeit wandelt. Das erste Drittel ist meist am mildesten und frischesten (Zeder, Heu, helle Noten). Das zweite Drittel ist am ausgewogensten und zeigt den markentypischen Charakter am deutlichsten (Leder, Kaffee, Nuss). Das letzte Drittel wird am kräftigsten, wärmsten und dichtesten (erdig, pfeffrig, dunkle Süße). Ursache ist, dass die kühleren Tabake vor der Glut wie ein Filter wirken, der mit jedem Zug kürzer wird; zum Ende hin kommt der Rauch deshalb auch deutlich wärmer am Mund an.

Was bedeutet Retrohaling und wie geht es?

Beim Retrohaling lässt man einen kleinen Teil des Rauchs sanft durch die Nase entweichen, statt nur durch den Mund. Damit nutzt man das retronasale Riechen – den Weg, auf dem feine Aromen wie Zeder, Kaffee oder Gewürze überhaupt erst wahrnehmbar werden, denn die Zunge schmeckt nur süß, salzig, sauer, bitter und umami. Man nimmt einen kleinen Mund voll Rauch, schließt den Mund und lässt ihn langsam über den Rachen durch die Nase ausströmen. Vorsicht bei kräftigen Zigarren und im letzten Drittel: Dann brennt es leicht in der Nase.

Soll man die Asche abklopfen?

Nein, nicht ständig. Ein fester, langer Aschenkegel ist erwünscht: Er wirkt wie ein Dämmmantel um die Glut, drosselt die Luftzufuhr und hält die Verbrennung kühler und gleichmäßiger. Klopft man die Asche dauernd ab, liegt die Glut frei, bekommt mehr Sauerstoff und brennt heißer – der Rauch wird schärfer. Erst wenn die Asche als Faustregel etwa zwei bis drei Zentimeter erreicht oder zu kippen droht, streift man sie sanft am Rand des Aschenbechers ab, statt sie abzuklopfen. So bleibt der Abbrand ruhig und gleichmäßig.

Was verrät die Asche über die Qualität einer Zigarre?

Weniger, als oft angenommen wird. Die Asche gibt Hinweise auf Bauweise und Abbrand, ist aber kein sicheres Qualitätsurteil. Eine kompakte, feste Asche, die in einem langen Kegel zusammenhält, spricht für eine dicht und gleichmäßig gerollte Zigarre; krümelige Asche deutet eher auf eine locker gerollte hin. Die Farbe hängt vor allem vom Mineralgehalt des Bodens ab, genannt werden Magnesium und Kalium; kubanischer Tabak brennt meist mit grauer Asche, und über Verbrennungsgüte und Geschmack sagt die Farbe allein wenig. Eine gerade, ringförmig umlaufende Brandlinie zeigt gleichmäßigen Abbrand. Ausschlaggebend bleibt der Geschmack.

Warum wird der Rauch einer Zigarre heiß und scharf?

Fast immer ist die Glut zu heiß geworden. In der Glut laufen ständig mehrere Vorgänge nebeneinander ab: Flüchtige Aromaöle und Nikotin gehen in den Rauch über und werden dabei nur teilweise zersetzt, andere Bestandteile werden durch die Hitze aufgespalten. Wird die Glut durch schnelles Ziehen heißer, wird der Rauch schärfer, bitterer und kratziger, und die feinen Aromen treten zurück. Ursachen sind meist zu schnelles Ziehen, ständiges Abklopfen der Asche oder eine zu trocken gelagerte Zigarre, die ohnehin heißer brennt. Abhilfe: langsamer ziehen (etwa ein Zug pro Minute), die Asche stehen lassen, bei Überhitzung eine Pause einlegen und auf richtige Lagerung bei 65 bis 70 % Luftfeuchte achten (siehe Lagerung).

Kann man eine Zigarre ablegen und später weiterrauchen?

Ja. Eine Zigarre verträgt Ruhepausen, die sogar gut für den Geschmack sind, weil die Glut abkühlt. Legt man sie frei auf die Ablagerinne des Aschenbechers, glimmt sie eine Weile ohne Zug weiter. Ist sie ausgegangen, lässt sie sich ohne Weiteres wieder anzünden: die lose Asche abstreifen, einmal sanft vom Kopf her durchblasen, damit abgestandener Rauch entweicht, den Fuß erneut gleichmäßig rösten und durchziehen (siehe Anzünden). Je kürzer die Pause, desto näher bleibt der Geschmack am Original; eine über Nacht erkaltete Zigarre schmeckt beim Wiederanzünden oft muffig und bitter.

Bis wohin raucht man eine Zigarre?

So weit, wie es schmeckt – es gibt keine Pflicht, bis zum letzten Zentimeter zu rauchen. Als Orientierung dient die Banderole (der Papierring), deren Erreichen meist das letzte Drittel markiert, und der Nub, der kurze Stummel am Ende. Manche genießen bis auf wenige Zentimeter, weil das letzte Drittel die konzentriertesten Aromen bietet; andere hören früher auf. Ein guter Abschlusspunkt ist erreicht, wenn der Rauch unangenehm heiß wird, die Glut den Fingern zu nahe kommt oder der Geschmack kippt. Dann legt man die Zigarre im Aschenbecher ab.

Muss man eine Zigarre ausdrücken?

Nein. Eine Zigarre wird am Ende nicht ausgedrückt wie eine Zigarette, sondern einfach im Aschenbecher abgelegt; dort erlischt sie nach kurzer Zeit von selbst. So empfiehlt es auch Habanos in ihren Hinweisen zum Rauchen. Das Ablegen gilt als der eleganteste Abschluss, das Ausdrücken ist dagegen eine aus der Zigarettenwelt mitgebrachte Gewohnheit. Legt man den Stummel in die tiefe Mulde des Aschenbechers statt auf die Ablagerinne, erlischt er rasch und glimmt nicht minutenlang weiter. Wer empfindlich auf den Geruch erkalteten Tabaks reagiert, entsorgt den Rest zeitnah und lüftet kurz.

Muss man die Banderole entfernen?

Das ist Geschmackssache; Habanos rät ausdrücklich, sie dranzulassen, damit das Deckblatt keinen Schaden nimmt. Wer das Band entfernen möchte, wartet, bis sich der Klebstoff durch die Wärme der näherkommenden Glut von selbst leicht gelöst hat. Dann lässt sich der Ring vorsichtig abziehen, ohne das darunterliegende Deckblatt zu beschädigen. Zieht man zu früh und zu kräftig, kann es einreißen. Viele lassen die Banderole auch einfach dran, bis sie ohnehin am Abrauchpunkt angekommen sind – auch das ist völlig in Ordnung.

Wie hält man eine Zigarre richtig?

Eine feste Vorschrift gibt es nicht, aber bewährte Gewohnheiten. Man hält die Zigarre locker zwischen Daumen und Zeigefinger, oft zusätzlich gestützt vom Mittelfinger, statt sie verkrampft zu umklammern. Anders als eine Zigarette bleibt sie nicht dauerhaft im Mund: Zwischen den Zügen nimmt man sie heraus und lässt sie in der Hand oder im Aschenbecher ruhen, damit die Glut abkühlt. Auf den Kopf beißt man nicht, die Lippen genügen. Wer den Kopf dauernd durchnässt oder zerkaut, beschädigt das Deckblatt und macht den Zug schwammig; ein trockener, sauberer Kopf trägt spürbar zum Genuss bei.

Welche Getränke passen zu einer Zigarre?

Bewährt sind Espresso (Röst- und Kakaonoten harmonieren mit dem Rauch), Rum (Karamell- und Vanillesüße als klassischer kubanischer Begleiter), Whisky (Holz- und Torfnoten zu kräftigen Zigarren) und immer stilles Wasser, das den Gaumen klärt. Das Prinzip: Das Getränk soll begleiten, nicht überdecken – kräftige Zigarren vertragen kräftige Begleiter. Weniger geeignet sind sehr süße Cocktails, stark gehopftes Bier, eiskalte oder stark parfümierte Getränke, weil sie die feinen Tabaknoten betäuben oder überlagern.

Wie schmecken die großen kubanischen Marken im Vergleich?

Jede Marke hat einen wiedererkennbaren Hausstil, wenn auch mit Abweichungen je Zigarre. Cohiba ist bekannt für ein cremiges, leicht grasig-süßliches Aroma, das Habanos auf eine zusätzliche Fermentation eines Teils der Tabake zurückführt. Hoyo de Monterrey gilt als fein und mild mit zedrigen, leicht süßen Noten. Montecristo ist der ausgewogene Klassiker mit Kakao- und Röstaromen. Partagás ist kräftig, würzig und erdig. Bolívar zählt zu den kräftigsten, erdig-vollmundigsten Marken. Romeo y Julieta ist mittelkräftig und blumig. Welche zu welchem Anlass passt, vertieft die Seite Auswahl.

Quellen und weiterführende Links

  1. Choosing, cutting, lighting and smoking – Habanos S.A., HavannaOffizielle Habanos-Hinweise zu Auswahl, Anschnitt, Anzünden und langsamem Rauchen ohne Inhalieren bis zum Ablegen im Aschenbecher.
  2. The anatomy of a Habano – Habanos S.A., HavannaHabanos beschreibt den Aufbau einer Habano aus Einlage (Tripa), Umblatt (Capote) und Deckblatt (Capa) und die Rolle der einzelnen Einlageblätter.
  3. Strengths – Habanos S.A., HavannaOffizielle Einstufung der Habanos-Marken und -Linien nach Geschmack von leicht bis kräftig, etwa Bolívar, Hoyo de Monterrey und Romeo y Julieta.
  4. Principal shapes and sizes – Habanos S.A., HavannaMaße und typische Rauchdauer der wichtigsten Habanos-Formate, darunter Mareva, Robusto, Churchill und Double Corona.
  5. Keeping Habanos – Habanos S.A., HavannaLagerempfehlung von Habanos mit 16 bis 18 °C und 65 bis 70 Prozent relativer Luftfeuchte, dazu der Hinweis, dass ausgetrocknete Zigarren scharf schmecken.
  6. Cohiba Brand – Habanos S.A., HavannaMarkenporträt von Habanos, nach dem Cohiba als einzige Marke Seco- und Ligero-Blätter einer zusätzlichen Fermentation unterzieht.
  7. Montecristo Brand – Habanos S.A., HavannaMarkenporträt von Habanos mit Stärkeangabe, das die Montecristo No. 4 als meistverkaufte Habano der Welt nennt.
  8. Matching the taste – Habanos S.A., HavannaHabanos über das Kombinieren von Zigarren mit Rum, Whisky, Cognac, Kaffee und Schokolade nach ähnlicher Intensität.
  9. Absorption of Nicotine in Cigarette and Cigar Smoke through the Oral Mucosa – A. K. Armitage, D. M. Turner, Nature 226, 1231–1232 (1970)Originalarbeit, nach der Nikotin aus basischem Zigarrenrauch (pH 8,5) über die Mundschleimhaut deutlich leichter aufgenommen wird als aus saurem Zigarettenrauch (pH 5,3).
  10. Smell images and the flavour system in the human brain – G. M. Shepherd, Nature 444, 316–321 (2006)Übersichtsarbeit darüber, wie stark der Geruchssinn, auch retronasal über den Rachen, die Aromawahrnehmung prägt.
  11. Effect of some Alkali Salts upon Fire-Holding Capacity of Tobacco – H. R. Kraybill, Botanical Gazette 64, 42–56 (1917); Digitalisat im Internet ArchiveOriginalarbeit zum Einfluss von Kaliumsalzen auf Glimmfähigkeit, Abbrand und Aschebild von Tabak.
  12. Chemistry and Toxicology (Smoking and Tobacco Control Monograph 9, Kapitel 3) – D. Hoffmann, I. Hoffmann, National Cancer Institute (1998)Kapitel der Zigarren-Monografie mit Angaben zu Luft- und Heißlufttrocknung, Fermentation, Rauch-pH sowie Glut- und Rauchtemperaturen.
  13. Ashes to Ashes – Cigar Journal, Marc André (2013)Fachartikel darüber, wie stehende Asche die Sauerstoffzufuhr drosselt und den Rauch kühlt, mit Hinweisen zu Aschefarbe, Aschestruktur und Brandfehlern.
  14. Ash – Cigar AficionadoGlossareintrag zur Asche, deren Farbe vom Mineralgehalt des Bodens abhängt, genannt wird Magnesium; kubanischer Tabak brennt eher grau.
  15. How to: Richtig paffen für vollen Genuss – zigarren.orgSchritt-für-Schritt-Anleitung zum Paffen vom Zugrhythmus bis zum Ausatmen durch die Nase.
  16. Zigarren rauchen – tabak.netSachliche Einordnung von Zugwiderstand, Abbrand, Glut und Asche, die Beobachtung und Deutung klar trennt.
  17. Gustatorische Wahrnehmung – WikipediaEnzyklopädie-Artikel zum Geschmackssinn mit den Grundqualitäten süß, sauer, salzig, bitter und umami und der Rolle des Geruchs.